Manchmal sogar fast wild: „Ich will von zu Hause durchgehn. Mir ist alles ganz [pg 112]egal. Ich lege mich hierhin und gehe nicht wieder fort. Du kannst mit mir machen was Du willst.“
Das sagt sie wohlweislich, wenn sie mir angezogen gegenübersitzt und Makronen knabbert – und dann lauert sie auf den Effekt. Sie möchte etwas mehr Effekt, einen Ausbruch, eine Szene, die Bestie: Mann.
Dann spiegelt sie sich in ihrer Jungfrauschaft: „Es ist doch gar nichts. Eigentlich habe ich doch gar nichts gethan. Niemand kann doch etwas sagen von „uns“.“
Sie betrachtet ihre Ehe als ein grosses Opfer, das sie bringt, mir bringt. Kleines Egoistchen! Ob wohl überhaupt schon mal ein andrer Gedanke als der an ihr eignes kostbares, kleines Selbst in diesem Gehirnchen aufgestiegen ist?
Sie betrauert meine Wohnung: Whip[pg 113]chen, Martin, die Gläser .. Dann wird sie so gerührt über sich selbst, dass sie schluchzt. Aber das macht eine rote Nase, darin ist sie ästhetisch.
Die leidenschaftlichsten Frauen werden dadurch in Schranken gehalten: „Mein Kind, das steht Dir nicht, Deine Stimme klingt schlecht, Du verdirbst Deine Haarfrisur.“ Sie wollen gefallen und sollen gefallen.
Wird die Frauenemanzipation darin je etwas ändern? Die Orientalin, die ihren Leib salbt und ihn mit Juwelen schmückt, sie ist das Naivste und das Grösste. Das Urälteste und das Allermodernste.
Sie fangen an mit Geist. Dann lächeln sie Dir zu .... Und wenn der Geist wiederkommt, dann bist Du als Mann fertig. Ich habe das zu oft durchgemacht.
Ich möchte es nicht anders. Nur mehr [pg 114]Ehrlichkeit möchte ich! Es wird so unendlich viel gelogen, gerade über diesen Punkt. Es ist Alles nur: Qui s’excuse, s’accuse, die Sinnlichkeit, die sich in allerlei Mäntelchen drapiert, selbst in das der Entsagung. Alle Frauen wollten einmal im Leben ins Kloster gehen. Warum giebt man ihn nicht zu, den stärksten und gewaltigsten Lebenstrieb, wie Hunger und Durst, wie Ehrgeiz und Müdigkeit. Der alte, schöne Satz, dass das Weib dem Manne zur Freude, zur Freudigkeit geschaffen sei, setzt sich Brillen auf und schneidet sich die Haare ab, und wird ihm ein Spott und sich selbst ein Zwitter, ein unverstandenes und unverständliches Rätselwesen.
Das bedauere ich von allen Verirrungen der Zeit am meisten, dass die Frauen dogmatisch werden, logisch, prinzipiell. Man will [pg 115]sie einregimentieren und einschwören. Die Völker, die am wenigsten Sonne und Sinnlichkeit haben, geben den Unfug an. Ihr unterbindet euch selbst die Lebensader! Décadence-Männer machen mit.