„Du –“, sagte meine alte brave Schwester, wiedereintretend, mit einem sehr energischen Klink der Thür, der ihm durch und durch gehen musste. „Wenn der im Paradies dabei gewesen wäre, den Apfel hätte der liebe Gott sich sparen können.“

Also Martin meldet. Du weisst, dass Höflichkeit gegen das weibliche Geschlecht eine schwache Seite von mir ist. Wenn Du wüsstest, was ich durch diese Höflichkeit schon gelitten habe! Das ist physisch bei mir.

Ich erhebe mich also. Ein rascher Blick in den Spiegel, eine Handbewegung nach dem Schnurrbart, eine ebensolche an die [pg 20]Halsbinde. Der äussere Mensch wäre gerüstet.

Mein Junggesellenheim kann sich immer zeigen. Das ist mein Stolz, und Martin ist darin gut erzogen. En avant donc!

„Meine Damen, was verschafft mir die Ehre?“ Zwei Backfische, allerliebst! ein blonder und ein brauner, süss, frech, puterrot. Aus gutem Hause – Handschuh, Stiefel – viel Wasser und Seife. Ich sehe sowas sofort.

„Sie sind doch der berühmte Herr Gröndahl? Wir haben Ihr Buch: „Verbotne Früchte“ gelesen. Meine Freundin und ich wollten Sie gern mal kennen lernen.“

Es ist die Braune, die spricht, forciert naseweis mit dreisten, hellen Augen. Die Blonde steht verschämt mit schlagenden Wimpern.

„Ich bin meinem Buche sehr dankbar, dass es mir solch reizende Bekanntschaft [pg 21]vermittelt hat.... Wollen Sie nicht Platz nehmen, meine Damen?“

Sie setzen sich, beide natürlich auf einen Stuhl. Sie kichern. Die Blonde bearbeitet die Braune sehr energisch in der Knie- und Ellenbogengegend.

Die ist schon ganz frech: „Ich heisse Kathinka Schnebeling und meine Freundin heisst Isolde Schulze. Wir schwärmen für moderne Litteratur. Meine Freundin schwärmt für Ihre Bücher. Sie hat auch eine Photographie von Ihnen. Sie hat sie bei sich.“