Sie zählte nun mit ihrem Vater die Groschen, die Zwei- und Vier-Groschenstücke, die Thaler und endlich auch den Friedrichsdor. Nur den blanken Dreier ließ sie ganz bei Seite liegen.
– Aha, dachte der Dreier, das Gute läßt man immer bis zuletzt. Wenn sie dich erst mit hinzuzählen, dann wird die Summe noch einmal so groß werden!
Aber der Dreier konnte lange warten, bis er mitgezählt wurde, und als endlich Minchens kleiner Bruder herein hüpfte, gab ihm der Vater den Dreier und erlaubte ihm, sich einen Kuchen dafür zu kaufen.
Der Kleine sprang mit ihm zum Kuchenbäcker und plump! fiel der Dreier in die dunkle Kasse des Bäckers, in der schon viele schwarze Kupfermünzen lagen.
– Es ist doch merkwürdig, wie sehr sich die Leute oft in der Taxirung Anderer täuschen! Das ist denn doch ein sehr grober Irrthum! sagte der Dreier. Na, mir kann es gleich sein, denn mein Schade ist es nicht!
So blieb er denn in der Kasse ganz obenauf liegen, um sich recht anstaunen zu lassen.
– Aber nehmen Sie doch Lebensart an! rief der blanke Dreier, wenn ihm dann und wann durch das Loch der Kasse ein schweres, dunkles Kupferstück auf den Kopf fiel. Sehen Sie denn nicht, daß ich von Gold bin?
Mehre Tage lang lag der Dreier in der Bäckerkasse. Da kam ein kleiner Schornsteinfeger und bat um ein Trinkgeld für das Reinigen der Ofenröhren. Der Bäcker griff in die Kasse und legte dem kleinen Schornsteinfeger fünf Dreier, darunter auch den blanken, auf den Tisch hin.
– Fassen Sie mich nicht an! rief der Dreier; ich werde sonst blind!
Aber der kleine Schornsteinfeger nahm das Geld und ging fort. Dem armen Dreier war ganz entsetzlich zu Muthe, als er so in der schwarzen Hand saß, er paßte eine Gelegenheit ab, entschlüpfte derselben unbemerkt, lag auf der Straße und rollte nach der Straßenrinne zu.