Und so flogen sie Beide zu einem Dompfaffen, der mußte sie scheiden.

– Gott sei Dank, dachte der Stieglitz; jetzt bin ich wieder frei! Ich will nur mit der nächsten Gelegenheit nach Amerika auswandern, denn hier in Deutschland ist es mir viel zu enge. Vielleicht, sagte er, machst Du in Amerika Dein Glück, und wenn Dir dies gelingen sollte, so giebst Du den Vögeln Gesangunterricht, denn die sollen dort zwar alle sehr schön von Gefieder sein, aber keinen Ton zu singen verstehen; und wie die Drossel mir gesagt hat, wird die Kunst in Amerika sehr hoch bezahlt. Vielleicht kannst Du da noch berühmt werden!....

Das war nun Alles recht gut, aber wie sollte er über das weite Wasser kommen! Er konnte zwar sehr schnell fliegen, aber, ohne ausruhen zu können, war doch die Reise über das große, endlose Meer zu weit.

Stieglitz überlegte sich diesen Punkt und flog nach einem Hafen. Hier lagen viele, viele Schiffe und eins von ihnen war eben im Begriff, mit vollen Segeln in die See zu gehen.

– Das ist gerade eine günstige Gelegenheit, sagte der Stieglitz; mit dem Schiffe willst Du fahren.

Also flog er ihm nach, setzte sich oben in den Mastkorb und fuhr Tage und Nächte, ohne sich was merken zu lassen, daß er auch da sei. Der gute Stieglitz hatte leicht reisen, denn er brauchte kein Passagiergeld zu bezahlen. Tags verhielt er sich oben in seinem Mastkorb ganz still, aber Nachts, wenn die Passagiere und die Matrosen fast alle schliefen, dann flog er auf das Verdeck herab und pickte die Brodkrümel auf, welche die Schiffsmannschaft beim Essen verloren hatten.

So ging die Reise wohl volle sechs Wochen. Dem guten Stieglitz wurde in seinem Mastkorb Zeit und Weile lang, aber hier hieß es: mit gegangen, mit gefangen, und so war er nur froh, daß er nicht seekrank wurde.

Endlich erblickte er eines Morgens in der Ferne eine Küste. Sogleich flog er auf, verließ das Schiff und eilte in das fremde Land hinein.

Ja, wie sah das Alles so anders aus als zu Hause! Das soll ein Leben werden! dachte der Stieglitz; hier kannst Du Dein Glück machen!... Du willst nur gleich einmal die Tonleiter singen, um Dich zu überzeugen, ob Du auch unterwegs nicht Deine Stimme verloren hast!

Er ließ sich auf einen Baum nieder, der war dick mit granatrothen Blüten besetzt und stand mitten in einem Walde.