Der Stieglitz nahm eine sehr künstlerische Haltung an, wetzte sich den Schnabel und räusperte sich.

– Kiriwitt – witt – witt! stimmte er an, wie es die Sänger zu thun pflegen, ehe sie eigentlich beginnen, und dann quinquilirte er ihnen was vor, das sollte eine deutsche Arie sein, wie er sagte.

– Hahaha! Das ist also eine deutsche Arie? Die kann mir gestohlen werden! rief der große weiße Vogel. Jetzt höre zu, wir wollen Dir eine Arie nach unsrer Weise vorsingen.

Und wieder fingen sie an zu schreien, daß es durch den ganzen Wald schallte und der Stieglitz vor Schreck beinahe von dem Zweige gefallen wäre.

– Das ist ja eine wahre Katzenmusik! rief er, als sie fertig waren mit ihrer Arie. So etwas Gesang zu nennen! Pfui!

Aber kaum hatte er dies gesagt, da fielen sie Alle, als wenn sie sich verabredet hätten, mit ihren dicken Schnäbeln über ihn her und wollten ihn todtbeißen. In seiner Angst flog der Stieglitz davon; sie aber verfolgten ihn und hätten ihn gewiß auch bald erreicht. Wie wäre es dem armen Stieglitz wohl ergangen, wenn er nicht zu seinem Glück hinter dem Walde ein Landhaus gesehen hätte, dessen Fenster offen standen.

Er flüchtete sich in das Zimmer und verbarg sich ängstlich hinter der Gardine.

Aber nun denke man sich seinen Schrecken, als er plötzlich bemerkte, wie sich eine pechschwarze Hand nach ihm ausstreckte, und gleich darauf sah er zu seinem Entsetzen auch einen kohlenschwarzen Kopf, ein paar weiße Augen und große weiße Zähne.

Huh! der arme Stieglitz dachte nicht anders, als daß der Teufel selbst ihn packte. Er wollte davonfliegen und hätte sich lieber von dem bösen weißen Vogel als von der schwarzen Hand greifen lassen, aber er verwickelte sich mit seinen langen Nägeln in den Gardinenfranzen. Da zappelte er nun, und die große schwarze Hand packte ihn und eine andre streichelte ihm das rothe Käppchen.

– Wie schlug dem Stieglitz das kleine Herz! Jetzt ist es vorbei, dachte er; wäre ich doch lieber zu Hause bei meiner Frau geblieben... Nun machen sie mich todt!