– Kiriwitt! Nehmt mich mit! rief er, flog ihm nach und setzte sich an seinen alten Platz im Mastkorb.
Also kam denn der Stieglitz wieder heim und flog in den Wald, um reuig zu seiner geschiedenen Frau zurückzukehren.
Als er aber in den Erlenbaum kam, da lag seine arme Frau im Sterben. Die hatte sich so viel um ihn gegrämt, daß sie schwer krank geworden war.
Stieglitz setzte sich auf den Rand des Nestes und küßte seine gute Frau, sie aber konnte ihm nur noch einen Blick zuwerfen, und dann war sie todt.
– Das habe ich nun von meiner Thorheit! sagte Stieglitz, sich mit dem einen Fuß die Augen wischend. Hätte ich nur zu schätzen gewußt, was ich besaß, so wäre ich jetzt glücklich!
Und Stieglitz begrub seine arme Frau unten am Fuße des Erlenbaums; dann aber setzte er sich auf den Rand seines Nestes, weinte drei Tage lang und grämte sich so sehr, daß sein rothes Käppchen ganz blaßgelb wurde. Alle seine schönen Federn verlor er, und als es Herbst wurde und die Blätter von den Bäumen fielen, da war auch der Stieglitz todt und lag erstarrt auf dem Grabe seiner Frau.
Diese Geschichte ist buchstäblich wahr und jeder Stieglitz kann sie Euch erzählen.
Der Rattengang.
Es war Sylvesterabend und der Christbaum noch ganz grün. Aber das war im Grunde kein Wunder, denn die Tannenbäume sind ja das ganze Jahr hindurch grün, und das ist wohl das Einzige, worauf sie sich was zu Gute thun können. Das eigentliche Wunder bestand vielmehr darin, daß an Linchens Tannenbaum noch alle die schönen Sachen hingen und er noch ebenso geputzt war, wie am Weihnachtsabend. Herr Gott, was war das für ein schöner Christbaum!
Aber was ich sagen wollte: es war heute der letzte Dezember und der war Linchens Geburtstag. Sechs Jahre war sie alt und seit fünf Jahren wurde der Christbaum regelmäßig am Sylvesterabend noch einmal angezündet und am Neujahrsmorgen geplündert. Die eine Hälfte von den schönen Sachen behielt Linchen, die andere Hälfte mußte sie den armen Kindern im Dorfe bringen; und das that sie gern.