Also war heute Sylvesterabend. Linchen aber schlief bereits bei der Mutter und im Zimmer nebenan stand der Tannenbaum ganz mutterseelenallein. Dunkel war es indeß nicht in dem Zimmer, denn durch die dünnen Vorhänge der Glasthür drang der matte Schimmer von Linchens Nachtlicht herein.

Unter dem Christbaum lag nun Linchens Wachspuppe, Amanda hieß sie, in ihrem Bettchen; sie hatte zu diesem Christfest einen nagelneuen Anzug bekommen und war im Ganzen drei Nasenstüber hoch.

Es dauerte auch nicht lange, bis Amanda sich die Augen rieb, denn sie war von der Freude des Abends noch sehr aufgeregt und konnte nicht schlafen.

Neben ihr stand an den Christbaum gelehnt ein Schornsteinfeger von lauter Pflaumen; er war sehr viel größer als Amanda, aber dafür war er ja auch ein Mann. Sie stieß den Schornsteinfeger mit dem Ellenbogen an und klagte ihm, daß sie nicht schlafen könne.

– Leg' Dich auf die andere Seite! sagte er zu ihr. Der Rath war wohl nicht schlecht, half aber doch nicht, Amanda konnte auch auf der andern Seite nicht schlafen, denn auf der Seite saß gerade das kleine Herz und das wollte sich nicht drücken lassen. Vielleicht genirte sich Amanda auch, zu schlafen, weil eine Mannsperson zugegen war, denn das schickt sich eigentlich nicht.

Amanda richtete sich auf, setzte sich auf den Bettrand und guckte den Schornsteinfeger mit großen Augen an.

– Weißt Du, was ich mir erdacht habe? fragte sie.

– Wird wohl nichts Gescheidtes sein! antwortete er verdrießlich.

Doch, Du närrischer Schornsteinfeger! Ich will es Dir sagen: wir wollen alle zusammen Linchens Geburtstag feiern.

– Hm, sagte der Pflaumenmann, das ließe sich hören! Aber wie wollen wir es anfangen?