Einen Fehler hatte die kleine Meta aber doch. Sie hatte von ihrem Pathen, der zum Jahrmarkt gewesen war, ein kleines hübsches Federmesser geschenkt bekommen, und mit diesem spielte und schnitzte sie trotz allen Verboten der Stiefmutter, bis es denn das Unglück wollte, das sie sich eines Abends bis tief auf den Knochen in den Finger schnitt.

Das war nun eine schöne Geschichte! Wenn es die böse Stiefmutter erfuhr, so bekam sie ganz erschrecklich viel Schelte. Sie suchte daher, was sie an Leinen finden konnte, und wickelte es um den Finger. Aber das Blut wollte und wollte sich nicht stillen lassen, was sie auch dagegen thun mochte. Damit nun ja kein Tröpfchen auf die Erde fallen sollte, hielt sie die Wunde an den Mund und sog das Blut mit den Lippen auf.

Da, o weh, kam die Stiefmutter herein. Meta hielt in ihrer Angst schnell den schlimmen Finger hinter sich und preßte ihn fest in die Hand.

– Was hast Du denn da Rothes am Mund? fragte die Stiefmutter.

– Ich habe im Garten Himbeeren gegessen, liebe Mutter! antwortete Meta, ward aber dabei so roth, wie alle Himbeeren im Garten zusammen nicht waren.

– Dahinter steckt etwas! dachte die Stiefmutter bei sich und kam näher.

– Was ist das da auf der Erde? fragte die Stiefmutter, auf einen kleinen Blutstropfen zeigend.

– Das ist von der Farbe, mit der wir gestern die Blumentöpfe angestrichen haben, antwortete Meta, und ihr Gesicht wurde wieder so roth, wie alle Blumentöpfe zusammen nicht waren.

Nun höre nur Einer, wie die kleine Meta schon lügen konnte!

Aber die Stiefmutter ließ sich nichts weiß machen und es dauerte auch nicht so lange, da war sie hinter die ganze Bescheerung gekommen. Nun sagte sie der Kleinen sehr viel böse Worte: sie werde acht Tage lang nicht arbeiten können, das dumme Federmesser solle in den Brunnen geworfen werden u. s. w.