Was half das indeß Alles, der Finger blutete noch immer fort, alles Leinen war umsonst, das Blut ließ sich nicht stillen.
Da lief die Stiefmutter in ihrer Angst zu der alten Nachbarin, die konnte dicke Hälse und Backen, Geschwulste und Gott weiß, was sonst noch, an Menschen und Thieren besprechen und galt im ganzen Dorfe für eine sehr gelehrte Person, denn ihr Mann war Kuhhirte gewesen und hatte, während er auf der Weide Strümpfe gestrickt, seine Tage hindurch an viele Dinge denken können, an welche andre Leute, die nicht die Kühe hüten, zu denken keine Zeit haben.
Also: die Nachbarin kam, besah Meta's Finger, murmelte lateinische oder griechische oder hebräische Worte, die sie selbst nicht verstand, spuckte (denn das darf beim Besprechen niemals vergessen werden) dreimal auf den Finger und machte allerlei Kreuze und Zeichen und andern dummen Hocuspocus, um das Blut zu stillen. Aber das Blut stand doch nicht still.
Als die Alte nun sah, daß ihre Kunst betteln ging, schüttelte sie den Kopf, meinte, so etwas sei ihr doch ihre Lebtage noch nicht vorgekommen, und begab sich sammt ihrer Sympathie unverrichteter Sache wieder nach Hause.
Da lief die Stiefmutter in ihrer Angst zu dem Feldscherer des Dorfes, der Morgens den Bauern die Bärte abkratzte und Nachmittags Menschen und Thiere curirte und zur Ader ließ. Der Feldscherer kam, besah sich den Finger, schüttelte auch mit dem Kopf und meinte: Hm! hm!
Aber damit war dem Finger wieder nicht geholfen und je mehr der Feldscherer doctorte, desto mehr blutete der Finger.
Der Gregorius (so nannten sie im Dorfe den Chirurgus) meinte ebenfalls: so etwas sei ihm noch gar nicht vorgekommen, er wolle nach Hause laufen und von seiner unfehlbaren Salbe holen, die müsse helfen.
Er ging, kam aber nicht wieder, denn er mochte wohl selbst an seine unfehlbare Salbe nicht glauben.
Inzwischen saß die arme Meta ganz bleich auf dem Rande ihres Bettchens und hielt den Finger über eine Schüssel. Die alte Stiefmutter war außer sich vor Aerger und da sie diesen doch an irgend Etwas auslassen mußte, so nahm sie das Federmesser, ging in den Hof und warf es in den Brunnen.
In demselben Augenblick aber hörte die kleine Meta eine ganz feine Stimme – und was sah sie? Auf dem Rande ihrer Schüssel saß rittlings ein kleiner Däumling.