– Das bedaure ich sehr! antwortete die Scheere recht herzlos. Aber wer kann für seine Gefühle!
Der Stickpfriem faßte innerlich den Entschluß, nunmehr vom Leben zu scheiden, und da er gerade am offnen Fenster lag, so sprang er hinaus, um entweder auf dem Steinpflaster das Genick zu brechen oder in den Wellen des Rinnsteins seinen Tod zu finden.
Und richtig geschah das erstere. Er brach den Hals und der schöne Corallenkopf sprang mitten auseinander.
– Da sieht man wieder, wohin eine unglückliche Liebe führen kann! sagte die Scheere, ihm nachblickend. Wer hat ihn auch geheißen, sich in mich zu verlieben! Weiß Gott, ich konnte ihm doch nicht helfen!
Darauf schaute sie in den kleinen Spiegel, der neben dem Nadelkissen angebracht war, und fand sich sehr schön.
– Es ist kein Wunder, wenn sich Alles in mich verliebt! sagte sie; aber umsonst bin ich auch nicht so schön!
Inzwischen ward es Abend. Der Nähtisch wurde zugeklappt, und die Scheere meinte: Nun, da es dunkel ist, kannst Du schlafen! – – – Und sie schlief und dachte mit keinem Gedanken an den unglücklichen Stickpfriem.
Am Morgen aber wartete sie vergebens, daß der Nähtisch geöffnet werden solle. Tage vergingen, der Tisch aber blieb verschlossen, so daß der armen Scheere endlich schon ganz bange wurde. Sie wußte ja nicht, daß ihre Herrin, die Stickerin, in der Nacht gestorben war, daß Leute gekommen, die das Zimmer versiegelten, und acht Tage lang kein Mensch hereinkam.
Endlich am neunten Tage ward der Nähtisch geöffnet. Die Scheere sah zu ihrer Verwunderung wohl zwanzig Menschen im Zimmer und Einer war unter ihnen, der einen Hammer in der Hand hielt; es war der Auctionator, der den kleinen Nachlaß der Stickerin versteigerte.
Alles wurde nun zu Spottpreisen verkauft, und die schöne Scheere fiel – man denke sich! – für zwei Groschen einer armen Nähterin zu.