– Fassen Sie mich nicht an! rief ihr die Scheere zu; ich passe gar nicht für Sie; es war auch schon unter meiner Würde, als ich mich bei einer Stickerin aufhielt. Sie wissen gar nicht, wer ich bin, sonst hätten Sie viel mehr für mich gegeben. Wenn meine Freundin, die Gräfin, hier gewesen wäre, sie hätte hundert Thaler für mich bezahlt!
Um den Händen der Nähterin zu entgehen, machte die Scheere einen Sprung vom Tisch, und – o weh! – sie brach einen von ihren Elfenbeinringen!
– Wie Schade! rief die Nähterin. Aber das läßt sich noch flicken!
Sie nahm die Scheere und das Stück, welches aus dem Ring gebrochen war und ging zu einem Drechsler, der mußte einen andern Ring einsetzen.
So kam die Scheere zu der Nähterin. Schön war sie noch immer, obgleich sie schon geflickt war.
Bei der Nähterin machte sie nun die Bekanntschaft eines Federmessers, das eine recht niedliche Perlemutterschale und auf derselben ein Vergißmeinnicht von Neusilber hatte.
Das Unglück wollte, daß auch das Federmesser sich in die Scheere verliebte und sie fragte, ob sie nicht ein Paar werden wollten.
– Ach, dann hätte ich wohl auf Sie zu warten brauchen! rief die Scheere hochmüthig. Aber ich will Ihnen doch einen guten Rath geben: es sind schon Viele um meinetwillen an gebrochenem Herzen gestorben; sehen Sie sich nur vor, daß es Ihnen nicht auch so geht, es sollte mir Leid um Sie thun!
– So? Na, da wäre ich doch neugierig! rief das Federmesser. Erzählen Sie mir doch!
Und nun erzählte die Scheere von dem jungen Samedi, der um ihretwillen ganz rostig geworden und wenn er noch lebe, es gewiß nicht lange mehr machen werde, und von dem Stickpfriem, der sich um ihretwillen die beiden Vergißmeinnichtaugen ausgeweint und sich endlich aus unglücklicher Liebe zum Fenster hinausgestürzt habe.