Und der Brillenhändler gab dem Könige ein drittes Fernrohr.

– Es ist das letzte! sagt er, und verschwand.

Der König aber stieg mit dem Fernglase auf die höchste Zinne seines Schlosses, und diesmal sah er viel Elend, aber auch manches Glück; er sah viel schlechte Thaten, die strafte er auf's härteste; er sah auch gute Thaten, und die belohnte er königlich.

Viele Jahre vergingen, das Land jedoch ward nun blühend und seine Bewohner wurden glücklich. Der König aber war zufrieden und sagte: »jetzt ist nicht nur mein Land glücklich, ich selbst bin es auch!«

Und als er endlich auf dem Sterbebette lag, da erschien ihm der Brillenhändler zum vierten und letzten Male.

– Ach, sagte der König; mein Lieber, dieses Fernglas ist unbezahlbar! Laß es mir, damit es auf meinen Sohn vererbe!

– Es sei! antwortete der Brillenhändler, denn die Blicke eines Königs sollen nicht nur die Glücklichen, sondern noch mehr die Unglücklichen sehen. Nun aber höre noch Eins: Dieses letzte Fernrohr, das ich Dir gab, enthielt gar kein Glas; ich habe Dir nur die Augen geöffnet

Etwas Höheres.

Eine Stahlfeder und ein Gänsekiel lagen eines schönen Sommermorgens auf dem Pulte eines Dichters. Dieser war verreist, und da das Stubenmädchen nach dem Auskehren des Zimmers das Fenster offen gelassen hatte, so konnten die beiden Federn recht nach Herzenslust die frische Luft genießen. Aber daran dachten sie gar nicht, denn sie hatten viel wichtigere Dinge zu besprechen.

Wie es gewöhnlich geht, daß die Dienerschaft groß spricht, wenn die Herrschaft nicht zu Hause ist, führten auch die Stahlfeder und der Gänsekiel eine gelehrte Unterhaltung über die Dichtkunst und beide strichen ihre Verdienste um dieselbe heraus.