Er wetzte sein Messer am Knie.

Furchtbar schrie sie auf vor Angst. Was mochte der irre Mensch vorhaben?

Da kam der Dullhäubel den Hang vom Vogeltänd herunter gelaufen. Von weitem schrie er: »Stocknarr, ich erschlag dich!«

Der Zusch warf sich ihm zu Füßen und winselte, er möge ihn leben lassen.

Totenblaß kroch das Weib aus dem Strauch. »Händ und Knie sind mir wund, der Kittel ist zerrissen,« weinte sie. »Alle Bitternis muß man sich gefallen lassen, wenn man keinen Mann mehr hat. Fallt ein Stein vom Himmel, so fallt er auf eine Wittibin.«

Der Dullhäubel senkte die Augen. »Wie geht es dir, Ogath? Ich hab dich schon lang nimmer gesehen.«

»Es ist redlich drei Jahr her, daß ich im Wittibstuhl sitz,« erzählte sie. »Dem Alten muß ich den Mühlknecht machen, und in der Nacht kann ich nit schlafen, so arg treiben es die Ratzen. Ich will davon, mit Zähren feucht ich meinen Weg. Zu meinem Bruder will ich, will das Herrgottelschnitzen lernen.«

Verlegen striegelte sich der Bauer durchs Haar, er schrumpfte fast zusammen vor dem großen, ernsten Weib. Er stammelte: »Heut wär mir schier die Scheuer abgebrannt, die Dirn hat die glühende Asche hinausgeworfen. Ogath, mein Hof braucht eine Bäurin.«

»Willst du wieder einen Heiratsbrief schreiben?« antwortete sie herb.

Sie kehrte zur Mühle zurück, in zerrissenem Gewand wollte sie nicht vor die Ihren treten. Der Bauer schlich neben ihr her und redete nichts.