Der alte Müller war jetzt Herr im Haus. Mit kalten Augen, mürrischem Maul schlich er durch die Mühle und raunzte den lieben Tag über Wind und Wetter, es mochte heiter sein oder trüb. Und immer härter geizte er, sie und ihr Kind sollten nur Erdäpfel essen und sauere Milch, und wenn sie im Winter die eisige Stube heizen wollte, riß er ihr das Scheitlein Brennholz aus der Hand.

Die Mühle ging immer öder und grämlicher, ewig gleich hob sich das Geschäufel aus der Tiefe, mühselig, in schwerfälliger Gewalt, grünlich triefend, und versank wieder.

Immer öder kamen und sanken der Ogath die Tage. Sie wurde des Lebens verdrossen.

Als sie dem Alten einmal vorwarf, er lasse sie und das Kind hungern, lachte er hämisch. »Seltsam, seltsam, wie malefizblond dein Dirnlein ist! Schier wie dem Dullhäubel sein Bart.«

Da ward sie still und schaute das Kind lange in Gedanken an.

Am selben Tag noch machte sie sich gegen Kaltenherberg auf, sie wollte sich mit den Eltern beraten. In der Mühle hielt sie es nimmer aus.

Am Weg begegnete ihr der Narr. Eine bunte Schürze, die er um den Hals gebunden hatte, hing ihm am Rücken nieder. Er breitete die Arme aus wie der Pfarrer am Altar und sang lateinisch.

Die Ogath duckte sich hinter einer Kranwitstaude. Sie wußte, daß er kürzlich seine Mutter gezwungen hatte, in den Kleiderkasten zu steigen, den Kasten hatte er dann umgeworfen und die Frau drin besungen wie eine Leiche im Sarg.

Doch seine gefährlichen Augen hatten die Ogath schon erspäht. Mit ein paar lächerlichwilden Sprüngen stand er vor ihr und krächzte: »Knie dich hinein in den Dorn, Maria!«

Zitternd folgte sie ihm. Sie fürchtete die flackernde Unruhe in seinem Blick. Und als sie mitten im stechenden Busch kniete, raunte er: »Jetzt bin ich der Erzengel. Ich will dich segnen unter den Weibern. Aber zuerst schneid ich dir das sündhafte Haar ab.«