Der Hirt bäumte sich auf. »Das vermag ich wohl. Ich hätt schier selber in der Stadt die Schulmeisterprüfung hingelegt.«
»Warum hast du es nit getan?«
»Ei, da haben mich die Herren von der Schulmeisterschul gefragt, was ich vom Specht wüßt. Ich hab langmächtig hin und her gedacht, und zuletzt hab ich zugeben müssen, daß mir derselbige Specht ganz unbekannt ist und daß ich ihnen überhaupt nix davon erzählen kann, und wenn sie mich erschlagen. Da hat mich einer erschrecklich scharf durch die Augengläser angeschaut und hat auf die Tür gedeutet. ›Behüt Gott! Ich geh gern,‹ sag ich. Und wie ich glücklich draußen bin, steht einer dort, der ist aus der Blaustaudner Pfarrei gewesen. ›Du,‹ sag ich, ›hörst, jetzt gesteh mir auf dem Fleck, was ist denn das – ein Specht?‹ ›O du lieber Landsmann,‹ schreit der, ›du wirst doch schon einmal einen Baumhackel gesehen haben?!‹ Nein, Dullhäubel, wenn ich gewußt hätt, daß der Baumhackel in der Stadt sich Specht schreiben laßt, den ganzen Tag hätt ich den studierten Herren davon erzählen können.«
Der Dullhäubel holte den Hirschenbrunner Volkskalender vom Fensterbrett, schlug ihn vorn auf und hielt ihn dem Hirten hin. »Jetzt will ich mich überzeugen, ob du gut lesen kannst.«
Der Brunnkressenhannes holte aus der Brusttasche eine Brille herfür, rüstete sich damit und setzte ein gelehrtes Gesicht auf.
»Mit Brillen lesen, ist keine Kunst,« rief der Bauer. »Das trifft ein jeder.«
Der Hannes kehrte sich nicht dran und las langsam und gewichtig: »Sankt Kilian stellt die Mäher an. Wann Maria im Regen übers Gebirg geht, dann geht sie im Regen wieder zurück.«
Schnell deutete der Dullhäubel auf eine Eintragung, die auf der andern Seite stand. »Ob du die Schrift auch verstehst?«
Der Brunnkreßner wischte mit dem Ärmel über die Nase und las: »Am Montag nach Mariä Himmelfahrt ist der Kasper auf die Welt kommen. Den Tag hernach ist unsere gelbfleckete Kuh, die Docke, beim Stier gewesen.«