Jetzt haßte der Kasper den Blaumantel. Den heilsamen Tabak aber begehrte er, und bald wußte er sich aus des Vaters ungenütztem Vorrat den bräunlichen Staub zu verschaffen, der das Hirn so lieblich kitzelt und erfrischt und das ganze Blut riegelt, wenn der Niesreiz von inwendig her an die Nase herankriecht und schallend zerstäubt.
Weil der Kasper gar so waghalsig und ungebärdig aufwuchs und von den Wipfeln schier nimmer herunter zu kriegen war, wo er die Krähennester ausraubte, sorgte sich die Sodonia um des Enkels leibliches Wohl und Seelenheil und fürchtete, er schlage allzusehr in die Art der Vorfahrer am Dullhäubelhof.
Drum meinte sie zur Bäurin: »Du, Sanna, wir müssen den Daumen mehr auf den Buben halten, daß er nit ausartet. Er hat nit Rast, nit Ruh, wie aus Schlangenschwänzen ist er zusammgesetzt. Er zerreißt zu viel Hosen.«
Die Bäurin gähnte: »Das tut nix. Der Schneider bittet auch ums tägliche Brot.«
Die Alte ließ nicht nach. »Der Kasper hat ein gutes Gemerk, wir sollten ihm einen Schulmeister halten. Der Brunnkressenhannes wär ein gelehrter Mann.« –
Da fand sich der Brunnkressenhannes im Hof ein.
Er war ein magerer, krummhälsiger Gesell, der den Bauern gegen einen Jahrlohn das Vieh hütete. Auch bekam er alljährlich von der Gemeinde ein neues Kuhhorn, und er prahlte oft, zu seinem Begräbnis brauche er keine Musikanten, da würden alle Hirten aus dem Gebirg kommen und auf den Hörnern, die in seiner Kammer hingen, ihm zu Grabe blasen.
Jetzt aber fragte ihn der Isidor Dullhäubel: »Hannes, kannst du schreiben und lesen und rechnen?«
»Und singen auch,« nickte der Hannes stolz.
»Du sollst das alles unserm Kasper in den Kopf bringen. Triffst du das?«