»Still, still! Sonst kommt gar der Gankerl, steckt dich in den rußigen Kessel, bratet dich, frißt dich.«
Es war, als würde dem Buben die kecke Rede vergolten, denn nach ein paar Tagen wuchs ihm auf der Nasenspitze eine Warze, die ihm gar nicht gut zu Gesicht stand. Das wurmte die Altbäurin, der an des Kasper Sauberkeit gelegen war, aber das Hörnlein blieb, wie oft es auch mit Wolfsmilch und mit Warzenkraut betupft, mit Fensterschweiß gewaschen und mit Roßhaar gedrosselt wurde. Es frommte nicht heißes Schusterpech, und als die Sodonia den Mißwuchs gar mit Zunder wegbrennen wollte, brüllte der Bub entsetzlich und ließ keinen mehr an sich heran.
Da kam die Ulla daher, ein buckliges Bettelweiblein mit einem kleinwinzigen Kopf, drin ein Hirn kaum Platz zu haben schien. Ihr spitzes, haariges Kinn schlotterte, geschäftig drehte sie sich in der Stube hin und her und knüpfte mit einem Faden fünf Knoten über der Warze des Kasper, der sich wie verhext unter dem sonderbaren Tun des Weibleins duckte. Nachher betete sie fünf Vaterunser und murmelte noch ein Heimliches in sich hinein, daß den Buben ein Grausen anflog. Schließlich humpelte sie hinters Haus, und wo die Tropfen vom Dach in die Erde schlugen und eine Rinne gegraben hatten, dort verscharrte sie den Faden.
Als der Mond neu wurde, war die Warze verschwunden, und der Kasper war ein sauberer Bub mit blühroten Wangen, großem, kugelrundem Kopf und flinken Füßen.
Die Ulla aber fürchtete er noch mehr als den Erdspiegel, der im Keller unzugänglich verschlossen lag. Oft stahl er sich zu der verfallenen Hütte der Alten und belauschte sie, wie sie zwischen den Felsen wilde Kräuter brockte und eintrug, wie sie mit den Raben redete und den Schlangen oder einer Staude etwas sagte oder gar einem Stein.
Sonst war er ein Waghals. Er ritt auf den Ochsen und Rössern, kletterte auf die Tannen hinauf bis zur höchsten Spitze, rannte über den Dachfirst, wo der Hauslauch grünte, und niemals stieß ihm ein Unglück zu.
Nur einmal blieb ihm eine Bohne in der Nase stecken, sie wollte nicht heraus und keimte schon.
»Sie wachst dir ins Hirn, Kasper,« jammerte die Altbäurin. »Der Blaumantel wird dich ganz gewiß an der Nase verderben lassen. Ich seh dich schon verkupfert.«
Der Bauer aber klemmte den Kasper zwischen die Kniee und drückte ihm das Gesicht in eine Hand voll Tabak hinein. Da riß es dem Buben den Kopf in die Höhe, er nieste sprühend, und die Bohne flog aus der Nase an die Wand.