»Weil er in einem Felsenloch gehaust hat sein Lebtag.«
»Da ist der Fuchs auch ein heiliger Mann, der schlaft auch in einem Steinriegel hinter der Mühl.«
»Ein Vieh ist nit heilig,« sagte die Altbäurin verdrossen.
Der Kasper faltete die Stirn. »Woher ist der Blaumantel gekommen? Hat er sich die Kapelle selber gebaut?«
Sie zog den Buben auf den Schoß und erzählte: »Gar überlang ist es schon her, da haben die Hirten den hölzernen Heiligen in einem hohlen Baum gefunden, da auf der Stelle, wo er jetzt steht. Sie haben ihn nach Blaustauden geschafft und dort auf den Altar gestellt, aber er ist davon und wieder zurück in seinen Baum. Jetzt haben sie ihn in die Stadt gebracht, daß er nit in einen so langweiligen Einöd trauern müßt, sondern ein paar ansehnliche Heilige um sich hätt, und daß er sich dran gewöhnt, haben sie ihn in der ersten Nacht in eine Truhe unter Schloß und Eisenband gelegt, und der Pfarrer und der Meßner haben sich darauf gesetzt, daß der Vogel nit ausfliegt. Aber der Blaumantel hat die Truhe gesprengt, Pfarrer und Meßner über den Haufen geworfen, und ist wieder zurück in die Heimat. Er hat wollen in der Wildnis geehrt werden, wo er gebetet und gebüßt hat. Da hat man über ihn die Kapelle gebaut.«
Der Kasper schielte mit den verzwinkerten Äuglein hinauf. »Mir hat aber der Vater gesagt, die Fuxloher hätten den sakrischen Blaumantel auf der Wallfahrt gestohlen, daß sie einen wohlfeilen Heiligen hätten. In einem Sack hätten sie ihn daher gebracht.«
»Sei still, Bub,« warnte die Altbäurin, »sonst straft er dich auch. Denk an dem Bauer seine Nase!«
»Meiner Nase darf er nix tun,« trotzte der Kasper.