Da nieste es auf einmal so schrecklich auf, daß die Kapelle zitterte. Mit schlotternden Knieen floh der Bauer. Und eine grobe Stimme schrie hinter ihm her: »Du wirst deine Schnutel, deine Schnufel nimmer lang tragen!«

Was der beleidigte Heilige geweissagt hatte, das geschah. In ein paar Jahren starb dem Isidor Dullhäubel die Nase am lebendigen Leib ab, wie eine Blume an der grünen Staude verwelkt, und weil er hörte, daß die alten Ritter, wenn ihnen die Hand abgehauen worden war, sich für die fleischene eine eiserne an den Arm hatten schnallen lassen, so suchte er einen Kupferschmied heim, und der setzte ihm eine kupferne Nase zwischen die Augen.

Doch das Leben freute ihn nimmer, seit er nimmer schnupfen konnte, und er vergaß es dem Blaumantel nicht, daß er ihn um das eindringlichste Ergötzen seines Lebens betrogen hatte; schimpfend stampfte er an ihm vorbei und rückte den Hut nimmer.

Als der Kasper so hoch wie der Stubentisch war, und sich schon selber die Tür auftun konnte und ganz listig schon aus den engen Augen herauslugte, da stellte der Bauer ihn vor die Kapelle und schalt unflätig hinein. So keimte in dem kleinen Kasper ein Widerwille auf, und der wuchs, als die Altbäurin Sodonia dem Buben, wenn er etwas Schlechtes getan, mit dem Zorn des Heiligen drohte und diesen als Vorbild eines wohlgefälligen Wandels hinstellte.

Die Alte rüstete den Heiligen mit der Pracht der wunderlichsten Wunder aus und dichtete ihm alle Gewalt über Himmel, Hölle und Welt zu, so daß der Herrgott, an ihm gemessen, nur ein ohnmächtiger Schatten schien. Vor seinem Zauber wurde der Gichtbruch tanzend und wanderte der Lahme, versiegte alles Gebrest; Stumme lobsangen ihn, Blinde wurden geheilt an dem Schimmer seines blauen Mantels.

Der Kasper lehnte oft vor der Kapelle und staunte voll Angst und Trutz hinein.

Am Bach, in dem gemauerten Häuslein, hinter der Gittertür geborgen vor Regen und Schnee, hatte der Heilige seinen Unterschlupf. Mit krausem, rotem Schädel, mit strengen, quellenden Augen und langer Nase stand er drin, das Haupt geneigt unter der Last des Heiligenscheines, am Kinn angeleimt einen fuchsfarbenen Bart aus Menschenhaar, den Mund weit offen und die Arme abwehrend von sich gestreckt, als seufze er: »Gott, hüt mich frommen Bruder vor dieser Welt!«

»Dein Guckähnel hat ihm einmal frevelmütig den Bart gestutzt, aber gleich ist er ihm wieder nachgewachsen, dem Heiligen,« erzählte die Sodonia dem Buben.

»Warum ist er denn heilig?«