In wenigen Tagen umspannen wilde Gerüchte den verschwundenen Mann. Sein schwarzer, zottiger Bart, die unruhigen, stechenden Augen und besonders die verwegenen Räuberlieder, die er immer gesungen, verschafften ihm, der ansonst ein wohlberüchtigter Mann gewesen, bald den Ruf eines Weglauerers und Räuberhauptmanns.

Uralte Waldgeschichten vom Räuber Schierling tauchten wieder auf, der den Leuten den Geldbeutel abgeschreckt und sie auf die Bäume hinaufgejagt und schließlich heruntergeschossen hatte wie Kranwitvögel, und vom bayrischen Hiesel, der von den Wanderern die Zunge als Maut genommen und hernach sich das Messer gestrichen hatte an den Hosen. Gar bald war auch der Spucht der Mittelkern solch gefährlicher Sagen, die von einigen zufälligen Geschehnissen genährt wurden.

So gingen einmal die Dirnlein des Dullhäubel um Beeren und kamen weit in die Wälder hinein. Da ward der kleinen Luzel bang vor der lautlosen Öde, sie weinte, und um sie zu stillen, erzählte ihr die Stasel ein Märlein. Ach, es fiel ihr gerade ein gar schauriges ein, daß ihr selbst davor angst wurde!

Sie erzählte: »Und die zwei Kinder sind in einen Wald kommen, und allweil tiefer und tiefer sind sie hinein, und der Wald ist stockfinster worden vor lauter wildem Laub und krummen Ästen, und noch immer hat der Wald kein End genommen. Auf einmal steht vor ihnen – – – das Räuberhaus.« Sie flüsterte dieses Wort, ins Herz davor erschaudernd.

Im gleichen Augenblick standen die Kinder vor einer verwurzelten Höhle, drin schlief der Spucht, eine Pistole in der Hand. Die Kleinen rannten über Rain und Stein davon und sprengten hernach schreckliche Geschichten im Dorf aus.

Bald darauf fand der Burgermeister, als er in aller Frühe vors Haus trat, einen Zettel auf dem Zaun stecken. Es war ein Brandbrief.

Am Dorfanger berieten sich die Fuxloher. Sie sahen sich schon als Abbrändler mit einem Bittgesuch von Haus zu Haus gehen. Der Brunnkressenhannes, der am schönsten lesen konnte, las den in bauchiger, derber Schrift geschriebenen Brief mit schauriger Stimme vor.

»Ihr Fuxloher Haderlumpen, Am Tag Medardi Brennt Dem Igelbauer Sein Stadel. Wer Löschen Hilft, Dem Zünd Ich Auch Unter. Willst Du Wissen, Wer Ich Bin? Schmecks.«

»Den Brief hinterlegen wir beim Gericht,« entschied der Burgermeister.

»Was hilft mir das?« klagte der Igel. »Wenn es lichterloh aus dem Dach schlagt, was nutzt das Gericht? Der Nachtwächter muß die ganze Nacht um meine Scheuer herum gehen.«