Barfuß ging sie dahin, die Schuhe am Stecken über die Achsel gehängt.
Und der alte Didelmann hüpfte hin und wieder behend in eine Einschicht, um sich den Ziegel wärmen zu lassen, den er am Bauch trug.
Wie an einem weißen Band waren die Dörfer an der Straße aufgereiht, und wo die Kreuzschar zog, schwangen sich die Glocken in den kropfigen Türmen und schlanken Dachreitern, lenkten und schwenkten und senkten der Brunnkreßner und der Spucht die Fahnen, trug der Hahnenwirt den Herrgott und der Igel seinen Stangenkölbel um die Kirchen und traten singend hinein, dem heiligen Wolfgangi und dem Isidori und dem Prokopi einen kurzen Gruß zu bieten, und hernach wanderten sie den Weg weiter, der hübsch krumm talein, talaus sich schlängelte gen Maria-Dorn.
Stauden grünten am Steig, es hingen rote Blumen drin, der Tau flocht Rosenkränze, ein zarter Wind rührte scheu an Korn und Wald, Vögel schwätzten und wirbelten, der Specht, der Holzknecht, hackte lustig den Tann an, und über dem allen gewölbt hing der muttergottesblaue Himmel.
Bäche schossen daher aus Klüften und Gründen, verborgene Mühlen murmelten in den Schluchten, und vom Turm des heiligen Bartholomä, der das dreieckige Fenster hatte, das die Kinder das Auge Gottes hießen, von dem Turm rief neckisch die Glocke immer wieder: »Klingeleisen, Bügeleisen!«
An einer zerfallenen Burg wallten sie vorbei, drin nach der Sage ein verwunschener Schnapphahn geisterte. Die Buben riefen in den Keller hinein: »Zinnspanner, komm heraus!« und huschten wie gescheuchte Hirschlein davon.
Mit leisem Schauder schritt die Schar an dem Pesthügel vorbei. Und manch sonderbarer Heiliger wartete am Weg und wollte lobsungen sein und ein blaues oder buntes Kränzel empfangen. Die Muttergottesfahrer kannten meist den Namen und die Geschichte dieser Heiligen nicht, sie deuteten und benannten sie aus ihrer Einfallt heraus, wie sie es verstanden oder einmal hatten erzählen hören.
Im Schatten seiner rostigen Strahlenscheibe stand auf einem Bein ein solch namenloser Himmelsmann; das andere Bein, das er an sich gezogen hielt, mochte ihn schon schmerzen. Doch schnitt er trotz seiner Marter ein vergnügliches Gesicht. Dreißig Jahre soll er nicht gesessen noch gelegen sein und habe mit dieser Peinigung das Himmelreich an sich gerissen.
»Nehmt euch ein Beispiel an ihm, Fuxloher!« sagte der Grazian und versuchte ein wenig auf einem seiner spandünnen Beine zu stehen. Und alle drängten zu dem steinernen Weihbrunn hin und besprengten sich eifrig.
Vor dem Wermutdörflein – so hießen sie den Ort, weil im Wiesental rings soviel Wermut blühte – vor dem Dörflein stand das Hasenmarterl. Darauf freuten sich die Kinder schon den ganzen Weg, und die Mütter trösteten die müden Kleinen damit.