Der Grazian erzählte, ein Bauer habe einmal Sonntags so hitzig einen Hasen gejagt, daß er die Messe versäumte, und drum habe er zur Sühne die winzige Kapelle gestiftet.
Drin saß nun das heilige Kind mitten unter tanzenden Hasen, und die Kreuzschar lachte hinein und ergötzte sich an dem drolligen Tanz, und die Kinder wollten schier nimmer weiter und wollten immer wieder die Hasen sehen.
Doch der Meßner drängte, und sie folgten ihm. Er betete ein Gebet nach dem andern und rief immer aus, wem es gelte. »Wollen wir ein Vaterunser beten für unsere schwertragenden Weiber!« forderte er, und sie beteten mit klaren und hohlen Stimmen. Und weiter rief er: »Ein Vaterunser für solche, die auf hohen Wassern fahren! Und noch eins, daß Kraut und Hafer gedeihen in der Gemeinde Fuxloh!«
Hernach zog er einen pfiffigen Mund und sprach: »Jetzt wollen wir ein Vaterunser aufopfern für alle, die gern mitgegangen wären! – Und eins für die, die nit haben mitgehen können! – Und eins für die, die nit haben mitgehen wollen!«
Er goß einen Schluck kornenen Branntwein in sich, und da eben ein urwinziges, weißes Wölklein aufstieg, rief er: »Jetzt wollen wir beten, daß wir in einem trockenen Regen gehen!«
Doch oft hob er stark und geheimnisvoll die Stimme: »Aber jetzt beten wir recht inbrünstig und herzhaft für den guten Ausgang einer gewissen Sache!« Da sah er schon vor dem gesammelten Stoß der Gebete den verruchten Dullhäubel hintaumeln auf den Totenschragen und überliefert den gespreizten Krallen der Hölle.
Da setzte die Gemeinde gewaltig ein, und es klang wie eine sonderbar wirre Orgel. Doch galt alle Inbrunst dieses namenlosen Gebetes nicht dem Tod des Schelmen, sondern jeglichem glühte ein anderes Anliegen im Herzen.
Der Brunnkressenhannes wünschte sich den Wurm weg, der ihm im Finger tobte; der Didelmann wollte sein inneres Leiden erleichtern, und die Glöckelbäurin wollte ihren Zopf aufhängen am Arm der Muttergottes, die Haare waren ihr ausgefallen in schwerer Krankheit; der Lukas Schellnober trug seinen Stockzahn gen Maria-Dorn, und die Mechel wollte dort um einen Mann bitten, nur um keinen rotköpfigen. Der eine wallfahrtete wegen des Mausfraßes, der andere seinem kranken Roß, der dritte seiner trächtigen Kuh zulieb. Die Ulla schleppte ihr schweres Herz mit, das sie in verfluchtem Hexentum verloren wähnte.