Der rief leutselig: »Ei, was für ein Wind tragt den Dullhäubel daher? Willst du gar schon heiraten? Das wär ratsam. Deine Wirtschaft braucht ein Weib.«
»Mich druckt ein besonderes Anliegen,« entgegnete der Bauer. »Sag mir, Hochwürden, woher stammt denn unser guter Schutzheiliger, der Blaumantel? Und was für Martern hat er erlitten, eh die Fuxloher ihn in die Kapelle gesperrt haben?«
»Meine liebe Seele, ich kann dir darüber nit viel Auskunft geben. Euer Heiliger schreibt sich eigentlich Sankt Aurazian, so steht es in unserm Kirchenbuch zu lesen. Sonst ist über ihn nirgends ein Wort zu lesen, so viel ich auch die Heiligengeschichte nachgeblättert hab. Mein Vorgänger, der Pfarrer Sebastian Knaupler, hat in selbiger Sache einen Brief an die päpstliche Kanzlei in Rom geschrieben, aber auch die haben nix gewußt vom heiligen Aurazian. Er muß ein gar bescheidener Mann gewesen sein, weil er nix von sich hinterlassen hat als seinen Namen.«
Der Dullhäubel dankte und ging. Bei der Siebenkittelwirtin kehrte er ein und trank, bis er strotzte, und erst, als er keinen Trunk mehr vermochte, besann er sich auf den Heimweg.
Die Nacht war schwarz, kalter Regen schlug durch den Wald. Der Steig war voll Gerill und Geröll und voll lauernder, tückischer, schlüpfriger Wurzeln, so daß der Bauer oft hinstürzte.
Vor der Kapelle zündete er sich die Pfeife an und beleuchtete den Heiligen. Der wehrte mit den Armen ab, als wolle er keinen Teil haben an dem Dullhäubel und als grause ihm vor dessen trunkenen Wandel.
»Herr Auraz Blaumantel, jetzt red du selber, wer du bist,« gröhlte der Bauer. »Gelt, du staunst, daß ich deinen Taufnamen weiß? Ich komm dir schon hinter die Schliche. Red, wer du bist! Du hast das Maul allweil offen und kannst nit giges und nit goges sagen.«
Schärfer schlug der Regen nieder, der Wind bog die Bäume, der Wolfsbach sauste.
»Von dir weiß nit einmal der Papst in Rom, woher du bist, du zugereister Heiliger. Aber ich bin der Dullhäubel aus Fuxloh!«
Und er kroch in die Kapelle, rollte den Blaumantel in den Regen hinaus, legte sich an seine Statt und schlief ein. –