Doch wie scharf der Bauer auch die Buchstaben ins Auge nahm und wie mißtrauisch sein Finger über die Zeilen tappte, daß ihm nichts entwische, er fand in dem Buch nicht einmal den Namen des Heiligen.

»O du Duckmauser, wer weiß, was für einer du bist?« grinste der Kasper Dullhäubel. »Jetzt will ich dir erst recht nachspüren.«

Er suchte den hochwürdigen Herrn Nonatus Hurneyßl heim.

Der Pfarrer lehnte gerad im Predigtstuhl, der ein großes, nach oben offenes Schneckenhaus war, und erzählte die Marter des heiligen Sebastian.

»Was gilt es, du kriegst den Pfeil in die Gurgel!« rief er. »Was gilt es, du kriegst den Schuß in den Nabel! Bums, sitzt dir der Pfeil im Schienbein! Ja, meine lieben Seelen, da sperrt ihr euer Maul auf und loset. He, du alte Zipfelhaube im dritten Stuhl am Eck, schlaf nit! Greift dich denn die Marter gar nit an? He, du Bürgermeister von Grillenöd, räusper dich nit so laut! He, Mausfallenwirt, lach nit so mit den Stockzähnen! Versuch es, laß du dir einmal von einem gottschändlichen Buben mit der Schindelbüchse einen Nagel in den geschwollenen Magen schießen!«

Da knarrte das Kirchtor, der Kasper Dullhäubel stand da und tappte demütig in den Weihbrunnkessel.

»Gehorsamster Diener, Dullhäubel!« grüßte der Herr Nonatus Hurneyßl grimmig. »Hast du den Weg verfehlt? Oder regnet es draußen, weil du da herein kommst? Kannst du nit zur Zeit da sein? Mußt du mich in den schönsten Martergeschichten stören? Hast du vielleicht einem Geißbock die letzte Ölung geben müssen? Das möcht ich wissen, was du heut von unserm Herrgott verlangst. Herrgott im Altar, trau dem Dullhäubel nit! Ja ja, schnupf nur, und tröst deine Nase! Der Teufel wartet auf dich, er bekränzt schon die große Bratröhre, wo er dich dünsten wird. Amen.«

Die Gemeinde murmelte: »Vergelts Gott!« und der Pfarrer stieg schwerfällig von der Schneckenkanzel herab.

Nach der Messe schob sich der Dullhäubel in die Kanzlei des geistlichen Herrn.