Der Mond war schon schlohweiß unterwegs, als sich der Trunkene heimtrollte.
In der Blaumantelkapelle war es hellicht. Der Kasper Dullhäubel stierte hinein. Ihm schien es, der Heilige beutle unwillig den Kopf und hebe die Handteller gegen ihn, als greine er: »Fahr ab, du Sündenlümmel!«
»Du bist ein Lümmel, nit ich!« antwortete der Bauer. »Und meine Nase nimmst du mir nit, die ist kerngesund. Schau nit so scheinheilig drein! Wer weiß, wer du gewesen bist bei Lebzeiten.«
Der Heilige glotzte mit offenem Mund, der Mond verlieh ihm Leben.
»Dir verdank ich meinen roten Bart,« knurrte der Dullhäubel. »In dich hat sich meine Mutter verschaut, wie sie mich getragen hat. Wir zwei rechnen noch einmal ab miteinander. Und red nit so grob mit mir! Jetzt bin ich der Dullhäubel.« –
Tags darauf bat er die Altbäurin, sie möge ihm ein altes Heiligenbuch leihen, das er einmal in ihrer Truhe gesehen hatte.
Die Sodonia freute sich. »Das Buch schenk ich dir, Bauer. Das ist recht, daß du jetzt einkehrst bei dir und das Leben der Heiligen lesen willst, daß du ein Beispiel vor dir hast. Und so wachst in deiner Frömmigkeit ein gutes Blümel aus deinem Vater seinem Grab.«
»Sind alle Heiligen drin?« fragte er kurz.
»Alle! Alle!« Sie nickte feierlich.
Eine Woche lang buchstabierte er sich durch das andächtige Buch, daß er das Leben des Blaumantels kennen lerne. Er hoffte, in der Erdenwallfahrt des heiligen Nachbarn einen schwarzen Fleck zu finden, wie ja die stolzesten Heiligen oft die größten Sünder gewesen sind. Vielleicht hat der Blaumantel einen Bauer im Roßhandel betrogen oder es mit einem leichtfertigen Weibsbild gehalten oder gar irgendwo auf der Straße einen Wegfahrer abgegurgelt. Es gibt gar wunderliche Brüder unter den Heiligen. Und wenn der Dullhäubel den Fleck des hochfährtigen Heiligen aufgedeckt hat, wird er ihm ein paar schöne Strahlen aus dem Heiligenschein zupfen und ihm gehörig heimgeigen, wenn der Blaumantel ihm noch einmal ins Gewissen reden sollte.