Es war zum letztenmal, daß der Isidor Dullhäubel sich freute. Er verfiel auf einmal, sein Gesicht wurde käsweiß, die kupferne Nase überzog sich mit Grünspan, und er behauptete, sie täte ihm weh. Die Kraft ging ihm aus.
Zu Mariä Geburt rief er den Kasper zu sich in die Stube. Er zog sich die hirschlederne Hose aus, die von den Vorfahrern überkommen war, warf sie dem Burschen hin und murrte: »Da!« Auf dem Tisch schillerten sieben Tabakgläser, darin die Namen der Wochentage geschliffen waren, und das Sonntagsglas glühte rot wie ein brennendes Herz. Der Bauer deutete darauf und ächzte: »Da!« Hernach ließ er sich matt ins Himmelbett fallen und starrte zu dem Spiegel hinauf, der darüber als Decke hing, und sah droben das kalkige Gesicht und die grüne Nase und seufzte.
So wich der alte Bauer dem jungen. –
Am Kirchweihsonntag schleppte sich der Isidor Dullhäubel zum letztenmal in den »pfalzenden Hahn«. Und als er mitternachts toll und voll heimkehrte, weckte er seine Bäurin und sagte fröhlich: »Heut hab ich die Krankheit versoffen.«
Der Kasper schwenkte noch am grauen Morgen die Dirnen im Tanz, als sein Knecht ganz außer Atem daher kam. »Kasper, heimgehen sollst du. Der Bauer ist gestorben.«
»Hast du mich erschreckt!« antwortete der Kasper. »Ich hab schon gemeint, der rotblassete Tauber wär hin.«
Der neue Bauer schaffte dem Toten ein schönes Begräbnis an. Die kupferne Nase nahm er ihm, als er in der Truhe lag, weg, sie konnte dem Isidor beim Jüngsten Gericht mehr schaden als nützen. Der Kasper band sie an den Senkel der Stubenuhr, die schon längst ein stärkeres Gewicht gebraucht hatte. So hing ihm allzeit ein Andenken an den Verewigten vor Augen.
Die Musikanten bliesen, der Pfarrer spritzte den Weihbrunn über die Truhe und betete um das immerwährende Licht und um die ewige Rast, und der Kasper heulte am Grab des Isidor Dullhäubel und begehrte, man solle ihn gleich mit dem Alten einscharren.
Hernach ließ er sich nach ewigem Dorfbrauch ins Wirtshaus spielen, und dort ging es feucht und lustig her, daß der junge Dullhäubel beim Abschied schluchzend zu den Musikanten sagte: »Mein Vater hat jetzt eine schöne Leich gehabt. Wenn wir leben und gesund sind, müßt ihr mir bei meinem Begräbnis auch so schön aufspielen.« –