»Vater, heiraten möcht ich,« lallte der Kasper halb im Schlaf.

»Du hast recht. Heut noch nit, aber morgen, Bub. Und jetzt leg dich nur wieder!«

Folgsam kehrte der Kasper um und schlief weiter. –

Seit jener Mondscheinnacht lachte der junge Dullhäubel den Dirnen in die Augen. Und um sich vor ihnen ein Ansehen zu geben, handelte er sich vom Krämer eine Tabakspfeife mit buntem Kopf ein, die steckte er in die einwendige Brusttasche, daß das Mundstück herausguckte. Auch putzte er sich mit einem blauen Hut, grasgrünen Hosenträgern und einer breiten Uhrkette auf und ließ sich unter der Nase einen fuchsfeuerroten Schnurz wachsen. Und seine Schultern wurden breiter, seine Hände fester und griffiger. Nur die Stimme blieb ihm hoch und kindisch schrill.

Einmal saß die Sodonia nachts im Bett auf, weil sie sich den Schlaf nicht erzwingen konnte. Da hörte sie es wie mit Diebestritten das Haus umspüren und bald hernach den Kasper draußen halblaut singen:

»Dirndel, tu auf
und laß mich zu dir,
bin ein armer Kaplan,
sollst beten mit mir!«

Die Alte witterte neuen Unfug, und sie wollte die Hand über des Burschen Unschuld halten. Denn seine Mutter, die Sanna, kümmerte sich nicht um ihn, sie lag den halben Tag hinter der Scheuer unter der Hollerstaude, und die Stalldirn fing ihr die Läuse.

Die Sodonia wurde wachsam, und bald darnach merkte sie, wie sich der Kasper nach dem Essen davon zog und auch die Geißdirn verschwunden war. Schleunig suchte sie Dachboden, Stall und Stadel durch, bis sie schließlich zu einem alten, von Brombeergebüsch verwucherten Backofen kam, dort sah sie vier Füße heraus stehen. Sie packte das eine Paar kräftig an und zog den Kasper heraus.

Scheltend führte sie ihn zum Bauer. Aber der lachte unbändig und freute sich über den Ort, wo die Verliebten ihre Zuflucht gefunden hatten.