Ein anderes Anwesen wäre unter den Hammer gekommen, der Dullhäubelhof aber hielt den Säufer aus. Viel Grund und Boden und Holz und Vieh gehörten dazu, und die Bauern hätten noch viel reicher sein können, wenn es sie darnach gelüstet hätte. Denn der Pankraz, der Guckähnel, hatte einen schönen Schimmel im Stall stehen, und der Waldfürst hätte das schneeblührieselweiße Roß gar gern geritten und dafür den ganzen weitmächtigen Wald bis zum Lusen hingegeben. Der Pankraz aber hätte nimmer getauscht, und wenn der Fürst vor ihm auf den Knieen gerutscht wäre.

Wie gelebt, so gestorben. Vor lauter Gesundheittrinken kam der Bonifaz Dullhäubel um die Gesundheit.

Die Fuxloher mähten gerade die Wiesen, da kroch der Bonifaz in der Scheuer des Wirtes »zum pfalzenden Hahn« ins Heu, seinen schweren Rausch zu verschlafen, und die Mäher verschütteten ihn aus Übermut unter dem Heu. Sie vergaßen ihn aber hernach in ihrer heißen Arbeit und erinnerten sich erst, als die Bäurin ins Dorf kam und nach dem Bonifaz fragte. Schnell räumten sie das Heu weg; da lag der Vergrabene mit lustigem Gesicht, aber erstickt. Weil die Burschen den Weg zum Gericht scheuten, so halfen sie sich, wie sie es verstanden: sie schlugen einen Haken in die Scheuer, wo sie am finstersten war, hängten den Toten dran und drückten ihm seinen breiten filzenen Scheibenhut in die Stirn. Dann schrieen sie das Unglück im Dorf aus: »Leut, Leut, der Bonifaz hat sich aufgehängt!« Und weil eben ein Sturm anfing, glaubten die Fuxloher ihnen gern und sahen mit Grausen, wie der Strick sich dem Bonifaz um Hals und Bart schnürte, und der Totengräber in Blaustauden drunten grub das Grab um drei Schuh tiefer als sonst, daß der Bonifaz nimmer heraus und umgehen könne.

Die Bäurin gab ihm den Scheibenhut mit in die Truhe. Sie meinte, in der Ewigkeit sei es hübsch lüftig, und der Selige sei allweil heikel gewesen auf den Zugwind. Auch steckte sie ihm die Pfeife ins Maul, er möge sich jenseits etwas vorqualmen, daß ihm Zeit und Ewigkeit besser vergingen. Sie war ein fürsorgliches Weib, die Sodonia.

Wie die alten Vögel pfeifen, so stümpern die jungen.

Der Nachkömmling des Bonifaz war der Isidor Dullhäubel. Der schlug sich, als er zur Mannheit kam, mit einem Stein die vordersten Zähne aus, womit die Soldaten das Papier von den Patronen reißen, daß das Pulver ins Gewehr rinne. So blieb der Isidor vor dem Krieg verschont.

Der neue Bauer meinte, ein richtiger Mann müsse neun Kinder zeugen, und da mußte nicht bloß seine Bäurin daran glauben, sondern auch alle Mägde, die auf dem Hofe dienten. Die Kinder außerhalb der Ehe wuchsen frisch und fröhlich heran, die eheleiblichen aber wurden nicht alt. Sein Weib, die Sanna, sorgte sich nicht um die Brut, sie schlief gern und schlief allweil ein, wenn sie säugte, und der Säugling fiel ihr dabei oft aus dem Schoß. So blieben ihr, ein einziges ausgenommen, keine Kinder, trotzdem daß sie sehr fruchtbar war und nur Zwillinge und Drillinge gebären konnte.

Sie grämte sich nicht um die Liebschaften des Bauers. Doch die Sodonia, die Altbäurin, war ob der heidnischen Vielweiberei ihres Sohnes schwer bekümmert. Aber wenn ihm wieder einmal ein Staudenkind auf die Welt kam und die Sodonia ihm es als Sünde heftig verwies, lachte er nur: »Fürs Lebendigmachen ist noch keiner gestraft worden.«

Der Isidor Dullhäubel führte allzeit sein Tabakglas mit, und weit und breit tat es ihm keiner gleich im Schnupfen. Nicht einmal der Blaustaudner Schulmeister, der, selbst wenn er die Orgel zum Hochamt schlug, den Tabak nicht völlig entbehren konnte und darum auch beim Spiel allweil ein braunes Häuflein auf dem Handrücken trug und die Nase oft und oft inbrünstig dazu niederstoßen ließ und mitten in Gottes Lobpreisung andächtig hineinschnupfte.