Als der Isidor noch frommer war, schnupfte er in den Fasten nicht, so sehr es ihn auch lüstete; er tat sich einen Abbruch, um Gott wohl zu gefallen. Erst am letzten Kartag, wenn der Pfarrer sang: »Christ ist erstanden!«, da nahm er sich wieder das erste Schnüpflein. Als aber am Auferstehungstag einmal der Geistliche kein Ende fand und Gebet an Gebet, Litanei an Litanei knüpfte und nimmer in den Erlösungsruf ausbrach, schlug sich der Isidor ungestüm den Tabak auf die Hand: »Ob der Herrgott auferstanden ist oder nit, – ich schnupf!« Seither fastete seine Nase nimmer, und wenn ihm einer dies als Laster vorrückte, wehrte er sich: »Das Schnupfen ist keine Sünd. Der Pfarrer Eusebius hat seine Tabakdose sogar auf dem heiligen Kelch zum Altar getragen. Freilich hat der mit seiner geistlichen Nase nur Spaniol mögen, und ich schnupf brasilianischen Tabak. Aber unser Herrgott kennt keinen Unterschied.«
Dazumal, als sie den alten Bonifaz vom Nagel herunternahmen, lümmelte der Isidor mit seinem Nachbar, dem Mußmüller, im »pfalzenden Hahn«, ließ sich von ihm über den Tod seines Vaters trösten und lüpfte eifrig den Krug.
»Sei froh, daß er hin ist,« redete der Müller. »Es ist dein Glück, daß er im Ausgeding gesessen ist, er hätt dir sonst den ganzen Hof versoffen.«
Der Isidor schaute finster. »Soviel kann keiner versaufen, als ich hab. Und vergönn es ihm, neid es ihm nit in die Grube nach!«
»Dullhäubel,« der Müller hob beschwörend die Stimme, »Dullhäubel, ich weiß es: der Durst schluckt den Bach samt der Mühl.«
»Deinen Bach freilich, Gori, der hat kein Wasser,« grinste der Bauer. »In aller Früh gehst du aus, schlagst mit der Stange den Tau von den Erlen, daß du Wasser aufs Rad kriegst.«
In des Mußmüllers Stirn schnitten sich zwei scharfe senkrechte Falten, er packte das Stutzenglas und hieb es dem Isidor auf den Schädel, daß die Scherben flogen. Jetzt hob auch der Bauer sein Glas und trümmerte es dem Müller auf das Hirn. Das alles geschah ohne sonderlichen Lärm.
Derweil der Wirt neue Gläser holte, saßen sie blutig und lachten.
»Nix für ungut, Müllner.«