»Du hast die Geiß gern, Ulla. Du brauchst sie wohl Zum Reiten? Reitest du auf den Lusen tanzen? Das ist ein hoher Berg.«

Die Alte nickte gutmütig mit dem kleinen Vogelkopf. »Du bist heut gut aufgelegt, Bauer. Dir hab ich einmal eine Warze besprochen. Weißt du es noch? Jetzt bist du ein schöner Mann worden. Geh, schenk mir was! Schau, wie armselig meine Heimat dasteht!«

Sie deutete auf die Tür, die müd in den Angeln hing.

»Die Tür ist schlecht,« sagte der Bauer, »aber du brauchst sie nit besser, du reitest ja zum Rauchfang ein und aus.«

Die Geiß stand jetzt in der Tür, die Vorderbeine gespreizt, und horchte neugierig zu.

»O mein liebes Vieh, der Bauer macht uns zwei schlecht. Du bist ein Schwänkmacher, Dullhäubel. Freilich geht es mir schlecht. Wenn nur genug Brot wär, drei Zähne hab ich schon noch,« kicherte sie kläglich. »Ach ja, die Not ist mein Kuchelmensch und Schmalhans der Meister.«

»Aber Milch hast du genug?« fragte der Bauer scharf.

»Nit viel, gar nit viel. Was halt die Geiß hergibt.«

»Alte, du weißt, daß in meinem Hof der Erdspiegel ist. Drin seh ich alles auf der Welt. Wie ich gestern abends hinein schau, seh ich dich den Wegzeiger gegen Grillenöd melken. Zur gleichen Zeit hebt meine beste Kuh, die schwarzrückete Stallmeisterin, gottskläglich an zu plärren. Ich schau nach, da steht sie im Stall, zittert am ganzen Leib und schwitzt, als wenn sie einer geritten hätt. Ich hab sie gleich melken wollen, da hat sie nit ein bißlein Milch gegeben, nur ein Tropfen Blut ist ihr aus dem Euter geronnen. He, was hast du meine Kuh verzaubert, Hex?« rannte er.

Sie rang die dürren Hände. »Das ist nit wahr, der Erdspiegel lügt. Ich bin ein frommes Weib und keine Schlangenköchin.«