Er fuhr fort: »Im ersten Zorn bin ich in das Vogeltänd gelaufen, hab dir die Milch vom Ofen wegreißen wollen. Da seh ich durch die Luft einen Strohwisch schießen, in deinen Rauchfang schießt er hinein, er sprüht vor lauter Feuer. Ist das nit dein Liebhaber gewesen, Hex?«
Sie starrte ihn mit den blöden Augen an. »Du irrst dich, Dullhäubel, du irrst dich dreimal. Es wird nur ein Sternlein in den Rauchfang gefallen sein. O weh, wie redest du so schrecklich von mir armem Weib! Ich tu ja niemand nix, ich tu nur beten, allweil hab ich die Nase im Betbuch, wenn ich auch nit lesen kann.«
»Jetzt weiß ich, Ulla, wer mir im Stadel die Mäus wachsen laßt und im Haus das Unziefer. Jetzt weiß ich, wer den Nebel her winkt und das schwarze Wetter. Du bist es, Hex!«
»Ich hab ja gar keine Kraft,« jammerte sie, »wie könnt ich das tun? Es ist ja alles nit wahr, nit wahr.«
Unbarmherzig redete er: »Aus deiner Geiß springt die Milch wie der Brunnen aus der Erd, die Milch rinnt dir ums Haus nach, Ulla. Zum Lusen bist du auf einem Besen geflogen, der hinter dir gebrannt hat. Du zauberst und zinzelst und zanzelst und machst Weiber und Küh galt.«
»O du Unfang, du bodenloser, was bringst du mich in Kummer? Deine üble Nachred wird mir schaden, niemand wird mir eine Gabe schenken wollen. Aber jetzt geh ich hin und laß dich am Gericht verklagen.«
»Der Richter ist mein bester Freund, der tut mir nix,« lachte der Schelm. »Und wenn die armen Leut klagen, so gilt es nit. Und wer steht gegen mich auf? Ich bin der Dullhäubel aus Fuxloh!«
»Das ist eine bitterliche Wahrheit,« lispelte sie, »an der Armut wischt ein jeder seinen Schuh. Aber, lieber Kasper, ich bin keine Hex.«
»Du bist es. Dein ganzer Leib legt Zeugenschaft dafür ab: deine Finger sind wie Krallen, dein Kinnbein ist dürr und krumm, dein Gesicht ist runzlig, als ob die Hennen drin gekratzt hätten. Die Augen rinnen dir aus.«
»Ich bin ja alt! Alt bin ich!« wimmerte sie. »Blut könnt ich weinen. Du wirst mich verschreien in ganz Fuxloh.«