Fig. 16.
§ 9. Die vorbereitenden Arbeiten. Das Gradnetz. Im Anschluß an die Punkte des trigonometrischen Netzes wird die topographische Aufnahme ausgeführt. Sie erfolgt mit dem Meßtisch. Derselbe wurde 1590 von Praetorius aus Altdorf bei Nürnberg erfunden und besteht im wesentlichen aus dem Stativ mit Dreifuß, der Meßtischplatte und der Kippregel, d. h. einem Lineal mit Fernrohr und Gradbogen nebst Röhrenlibelle. Als Hilfsinstrumente kommen hinzu: eine Dosenlibelle und eine Bussole in Form eines länglichen Kästchens ([Fig. 16]). Der Dreifuß des Stativs trägt eine Scheibe, auf der die Meßtischplatte mit drei Schrauben befestigt wird. Der Bogen des Meßtischblattes wird auf der Unterseite mit geschlagenem Eiweiß gleichmäßig angefeuchtet und mit seinen überstehenden Rändern an den Seitenflächen der Platte durch Leim befestigt, nachdem er vorher mit einem Tuch glatt gestrichen wurde. Das Aufspannen geschieht bereits ein bis zwei Monate vor Beginn der Feldarbeit. Jedes Blatt umfaßt in 1 : 25 000 10 Längenminuten in Breite und 6 Breitenminuten in Höhe. Mithin entfallen auf einen Grad 60 Blätter (Gradabteilungskarten). Ein Blatt hat etwa 48 cm Seitenlänge und etwa 124 qkm Inhalt in 52½° nördl. Breite. Die Zahl der Meßtischblätter für Preußen beträgt 3699. Bei 1 : 100 000 hat jedes Blatt 15 Breitenminuten Höhe und 30 Längenminuten Breite. Zu einem Gradfeld gehören also 8 Blätter. Die Fläche zwischen den Randlinien eines Blattes kann als eben angesehen werden (preußische Polyederprojektion) und dementsprechend werden die Rand- und Minutenlinien als gerade Linien aufgetragen. Mit dem Auftragen des Gradnetzes beginnt man erst nach einigen Wochen, nachdem das Papier vollkommen ausgetrocknet ist. In dieses Netz von geraden Linien werden die trigonometrischen Punkte (20 auf 100 qkm) nach Länge und Breite mit Berücksichtigung des Unterschiedes zwischen Bogen und Sehne aufgetragen, und zwar als Schnitt zweier scharfer Bleilinien. Außer den trigonometrischen Punkten werden auch bereits bestimmte Höhenpunkte eingetragen.
Fig. 17.
Vor den Feldarbeiten werden ferner die in das Aufnahmegebiet fallenden Katasterkarten mit dem Pantographen auf 1 : 25 000 verkleinert. Der Pantograph oder Storchschnabel wurde vom Pater Scheiner († 1650) erfunden. Er besteht aus einem Parallelogramm von Holz- oder Metallschienen mit Gelenken in den Eckpunkten ([Fig. 17]). In dem Parallelogramm PCFE sei AB||PC. In A und B seien ebenfalls Gelenke vorhanden. Es ist △PZB ~ AZF und demnach verhält sich PZ : ZF = PB : AF. Weil nun PB : AF fest bleibt, so sind auch die Verhältnisse PZ : ZF, PF : PZ und PF : ZF unveränderlich. Die Punkte PZF liegen in einer Geraden. Sei P fest, dann beschreiben Z und F stets ähnliche und ähnlich liegende Figuren. Denkt man sich also in Z einen Zeichenstift und in F einen Fahrstift, dann werden die vom Fahrstift umfahrenen Figuren verkleinert im Verhältnis PZ : PF oder CA : CF (denn PB = CA). Bei der Landesaufnahme finden die freischwebenden Präzisionspantographen Verwendung ([Fig. 18]). Der Drehpunkt P liegt in einem kranartigen Gestell K. Von P gehen zwei Messingschienen PC und PE aus. Die Schiene CF läuft parallel PE. Die Schiene AB kann auf PE und CF verschoben werden, um ein bestimmtes Verhältnis einzustellen. Das Instrument muß genau horizontiert sein. Dazu wird zunächst das Gestell mit Hilfe einer Dosenlibelle horizontal gestellt. Der Pantograph wird dann durch Drähte horizontal gehalten.
Fig. 18.
Außer mit dem Pantographen kann man die Karten auch mittels Quadratnetz verkleinern. Dieses Verfahren wird namentlich im Felde in Betracht kommen, wenn es sich darum handelt, in eine bereits vorhandene Karte durch Krokiaufnahmen Veränderungen einzutragen und für diese Aufnahmen vorher eine Vergrößerung anzufertigen.
Man überzieht die Karte oder noch besser ein Stück Pauspapier mit einem Quadratnetz von 200 m Seitenlänge in dem Maßstabe der Karte und ein Stück Zeichenpapier mit einem Quadratnetz von ebenfalls 200 m in dem verlangten größeren oder kleineren Maßstab. Dann legt man das Pauspapier auf die Karte und zeichnet nun quadratweise das Kartenbild auf das Zeichenpapier nach Augenmaß ab. Vorteilhaft ist die Benutzung eines Reduktionszirkels, den man durch einen Reduktionsmaßstab wie folgt ersetzen kann ([Fig. 19]).