„Mr. Wilson, Sie haben sich mir in der Behandlung, die ich von Ihnen erfahren habe, als ein Christ gezeigt, – ich wollte Sie um einen letzten christlichen Liebesdienst bitten.“

„Gut, Georg, was ist's?“

„Was Sie vorher sagten, – ist wahr; ich setze mich einer entsetzlichen Gefahr aus. Es gibt auf der ganzen Erde keine lebende Seele, die sich darum kümmert, wenn ich umkomme,“ sagte er mit schwerem Athem und mit großer Anstrengung, – „man wird mich mit dem Fuße auf die Seite stoßen und wie einen Hund einscharren, und kein Mensch wird den folgenden Tag mehr daran denken, – nur mein armes Weib! Arme Seele! sie wird trauern und sich abhärmen. – Wenn es Ihnen nur möglich wäre, Mr. Wilson, ihr diese Busennadel zu senden. Sie gab sie mir einst zum Weihnachtsgeschenke, das arme Wesen! Geben Sie sie ihr, und sagen Sie ihr, daß ich sie bis zum letzten Augenblicke lieben würde. Wollen Sie? wollen Sie es thun?“ fügte er dringend hinzu.

„Ja, sicher, – mein armer Junge!“ sagte der alte Herr, die Nadel nehmend, mit nassen Augen und einem melancholischen Zittern seiner Stimme.

„Sagen Sie ihr dieses Eine noch,“ fuhr Georg fort; „es ist mein letzter Wunsch, – nach Kanada zu gehen, wenn sie irgend hinkommen könne. Gleichviel, wie gut ihre Mistreß sei, – gleichviel, wie sehr sie an ihrer Heimath hänge; bitten Sie sie, nicht dahin zurückzukehren, – denn Sklaverei endet immer in Elend. Sagen Sie ihr, sie solle unser Kind zu einem freien Menschen erziehen, dann werde er nicht das erdulden müssen, was ich erduldet habe. Sagen Sie ihr dies, Mr. Wilson, – wollen Sie?“

„Ja, Georg, ich will es ihr sagen; aber ich hoffe, Du wirst nicht sterben; fasse Muth, – bist ja ein braver Bursche. Vertraue auf Gott, Georg. Ich wünschte nur, Du wärest erst glücklich durch, – das ist mein Wunsch.“

„Gibt es einen Gott, auf den man vertrauen kann?“ sagte Georg in einem Tone so bitterer Verzweiflung, daß der alte Mann dadurch in seiner Rede stockte. „O ich habe mein ganzes Leben lang so viele Dinge gesehen, die in mir das Gefühl erzeugt haben, daß es keinen Gott geben könne. Ihr Christen wißt nicht, wie uns diese Dinge erscheinen. Für Euch gibt es einen Gott, – aber nicht für uns.“

„O nein, sprich nicht so – nicht so, mein Junge!“ sagte der alte Mann beinahe schluchzend; „laß nicht solche Gedanken aufkommen. Es gibt – es gibt einen Gott; Wolken und Dunkel ist um ihn her, aber Gerechtigkeit und Gericht ist seines Stuhles Festung. Es lebt ein Gott, Georg! – glaube an Ihn, vertraue auf Ihn, und Er wird Dir sicher helfen. Er wird Alles in Ordnung bringen, wenn nicht in dieser, doch in einer anderen Welt.“

Die wahrhafte Frömmigkeit und Güte des schlichten, alten Mannes verlieh ihm momentan, während er sprach, eine Art Würde. Georg hielt in seinem verzweifelten Laufe das Zimmer auf und nieder inne, blieb einen Augenblick gedankenvoll stehen und sagte dann ruhig:

„Ich danke Ihnen für das, was Sie mir gesagt haben, mein guter Freund; – ich will daran denken!“