„Vor einiger Zeit sagte mein Herr, er sei ein Narr gewesen, daß er mir erlaubt habe, außerhalb des Platzes zu heirathen; daß er Mr. Shelby und seine ganze Familie hasse, weil sie Alle stolz wären und ihre Köpfe höher trügen als er, und daß ich stolze Begriffe von ihnen bekommen hätte; und sagte, daß er mich gar nicht wieder hierher gehen lassen wolle, und daß ich auf seinem Gute ein Weib nehmen solle. Anfangs sagte er diese Dinge nur, wenn er brummte und schalt, aber gestern befahl er mir, Mina als Weib zu mir zu nehmen und mit ihr in eine Hütte zu ziehen, oder er wolle mich den Fluß hinunter schicken und verkaufen lassen.“

„Wie? – Du bist ja aber mit mir verheirathet worden, durch den Geistlichen, gerade so, als wenn Du ein Weißer wärest!“ sagte Elisa einfach.

„Weißt Du nicht, daß ein Sklave sich nicht verheirathen kann? Es giebt kein Gesetz dafür in diesem Lande. Ich kann Dich nicht als mein Weib behalten, wenn es ihm einfällt uns zu trennen. Das ist der Grund, weshalb ich wollte, ich hätte Dich nie gesehen, – weshalb ich wünschte, ich wäre nie geboren worden; es wäre für uns beide besser gewesen, – es wäre für dieses arme Kind besser gewesen, wenn es nie geboren worden wäre. Alles dies kann ihm auch noch begegnen!“

„O, aber mein Herr ist so gut!“

„Ja, aber wer weiß? – er kann sterben, – und dann kann er verkauft werden, Gott weiß, an wen. Welche Freude kann es uns gewähren, daß er schön und kräftig ist? Ich sage Dir, Elisa, daß ein Schwert Dein Herz durchdringen wird für jede gute und schöne Eigenschaft, die das Kind besitzt; es wird ihn Dir zu werth machen, als daß Du ihn behalten könntest!“

Diese Worte fielen Elisa schwer auf's Herz. Die Erscheinung des Sklavenhändlers trat wieder vor ihre Augen, und als wenn irgend Jemand ihr einen tödtlichen Schlag versetzt hätte, wurde sie plötzlich bleich und verlor den Athem. Sie blickte angstvoll nach der Veranda, wohin sich der Knabe, überdrüssig der ernsten Unterhaltung, zurückgezogen hatte, und wo er auf Mr. Shelby's Spazierstock triumphirend auf- und niederritt. Sie war im Begriff, ihrem Manne ihre Befürchtungen mitzutheilen, aber hielt dennoch zurück.

„Nein, nein, – er hat genug zu tragen, der Arme!“ dachte sie. „Nein, ich will ihm nichts davon sagen; überdies ist es ja auch nicht wahr; Mistreß täuscht uns niemals.“

„Also, Elisa, mein Weib,“ sagte der Mann traurig, „sei standhaft, und nun lebe wohl, ich gehe.“

„Du gehst, Georg? – wohin denn?“

„Nach Canada,“ sagte er, sich hoch aufrichtend, „und wenn ich dort bin, will ich Dich kaufen; das ist die einzige Hoffnung, die uns bleibt. Ich will Dich und den Knaben kaufen, – so Gott mir helfe!“