„O schrecklich! wenn Du gefangen werden solltest!“
„Ich werde nicht gefangen werden, Elisa; eher will ich sterben! Ich will frei sein, oder sterben!“
„Du wirst Dich doch nicht selbst umbringen?“
„Das wird nicht nöthig sein, – sie werden mich schnell genug niedermachen. Nimmer sollen sie mich lebendig den Fluß hinab bringen!“
„O Georg, um meinetwillen sei vorsichtig! Thue nichts Böses, lege nicht Hand an Dich selbst, oder an irgend einen Andern! Du bist zu sehr gereizt, – zu sehr. Gehen mußt Du, – aber sei vorsichtig, sei weise. Bitte Gott, daß er Dir beistehe.“
„Wohlan denn, Elisa, so höre meinen Plan. Meinem Herrn fiel es ein, mich grade hier vorbei zu schicken mit einem Briefe an Mr. Symmes, der eine Meile weiter wohnt. Ich glaube, er rechnete drauf, daß ich hierher gehen würde, Dir zu erzählen, was ich bekommen habe. Es würde ihm Freude machen, wenn er denken könnte, daß das ‚Shelby'sche Volk‘, wie er es nennt, sich darüber ärgerte. Ich gehe jetzt nach Hause, und thue, als wenn ich ganz resignirt wäre, verstehst Du, als wenn Alles vorbei wäre. Inzwischen habe ich schon einige Vorbereitungen getroffen, – und ich habe Freunde, die mir helfen werden, – und in Zeit von acht Tagen oder so werde ich vermißt werden. Elisa, bete für mich, vielleicht erhört Dich der gute Gott!“
„O bete selbst für Dich, Georg, und vertraue auf ihn, wenn Du gehst; dann wirst Du nichts Böses thun.“
„So lebe wohl denn,“ sagte Georg, Elisa's Hände haltend, und unverwandt in ihre Augen blickend. Beide standen eine Zeit lang schweigend; dann folgten die letzten Worte, Schluchzen und bittre Thränen, und ein solcher Abschied, wie er zwischen Personen stattfinden muß, deren Hoffnung auf Wiedersehen so schwach wie Spinngewebe ist. Dann trennten sich Gatte und Gattin.
Viertes Kapitel.
Ein Abend in Onkel Tom's Hütte.