Onkel Tom's Hütte war ein kleines von Balken errichtetes Gebäude dicht bei „dem Hause“, wie die Neger par excellence die Wohnung ihres Herrn bezeichnen. Vor demselben lag ein sauberer Gartenfleck, in welchem jeden Sommer Stachelbeeren und Himbeeren und allerhand andere Früchte und Gemüse unter sorgsamer Hand blühten. Die ganze Front des Häuschens war von den Stauden einer einheimischen, immerblühenden Rose bedeckt, deren Ranken sich so verflochten, daß kaum eine Spur von den rauhen Balken sichtbar war. Auch verschiedene Jahresblumen, wie Goldlack, Nelken und Levkojen fanden hier im Sommer ein stilles Plätzchen, in dem sie ihre Pracht und ihre Wohlgerüche entfalten konnten, und waren der Stolz und die Freude Tante Chloë's.

Laßt uns in die Wohnung eintreten. Die Abendmahlzeit im Herrenhause ist vorüber, und Tante Chloë, die als oberste Köchin die Zubereitung desselben zu leiten pflegt, hat den Unterbeamten der Küche das Geschäft des Reinigens und Aufräumens überlassen, und sich in ihr eignes, behagliches Territorium begeben, um „ihrem Alten“ das Abendbrod zu reichen. Ihr dürft deshalb nicht daran zweifeln, daß sie es ist, die am Feuer steht, und mit ängstlicher Aufmerksamkeit gewisse zischende Gegenstände in einer Pfanne beobachtet, und von Zeit zu Zeit mit sehr ernster Vorsicht den Deckel der Backpfanne aufhebt, unter welchem ganz unzweifelhafte Anzeigen von „etwas Guten“ hervordampfen. Ihr Gesicht ist rund, schwarz und so glänzend, daß man glauben möchte, sie wäre, wie eine ihrer Theezwiebacke, mit Eiweiß überstrichen worden. Ihr ganzes, volles Gesicht strahlt unter ihrem wohlgestärkten Turbane von Zufriedenheit und Frohsinn, obgleich es, wenn wir doch einmal gestehen müssen, einen leichten Anstrich des Selbstbewußtseins verräth, welches der ersten Köchin in der ganzen Nachbarschaft, wofür Tante Chloë ganz allgemein galt und gehalten wurde, rechtmäßig zustand.

Eine Köchin war sie ohne Zweifel durch und durch. Allen Hühnern, Truthähnen und Enten auf dem Hühnerhofe wurde Angst, wenn sie Tante Chloë sich nahen sahen, und dachten augenscheinlich an ihr Ende; und gewiß ist, daß sie fortwährend über schmoren, braten und backen mit solcher Lebhaftigkeit nachdachte, daß sie jeden denkenden lebendigen Vogel dadurch in Schrecken setzen mußte. Ihr Kornkuchen, in allen seinen Modificationen war ein erhabenes Geheimniß für alle weniger geübten Küchenpraktikanten; und sie schüttelte ihre fetten Seiten vor Freude und Stolz, wenn sie von den fruchtlosen Versuchen erzählte, die einer oder der andre ihrer Collegen gemacht hatte, ihren Höhenpunkt zu erreichen.

Die Ankunft von Gästen im „Hause“, die Zubereitung von Mittag- und Abendessen im „großen Style“ erweckte alle ihre Lebensgeister; und kein Anblick war ihr erfreulicher als eine hohe Schicht Reisekoffer in der Veranda, denn dann hatte sie Aussicht auf neue Anstrengungen und neue Triumphe.

Grade in diesem Augenblicke schaut jedoch Tante Chloë in die Backpfanne, und wir wollen sie in dieser ihr innig verwandten Beschäftigung lassen, bis wir das Bild der Hütte vollendet haben.

In einer Ecke derselben steht ein Bett mit saubrer, weißer Decke; und an der Seite desselben lag ein Stück Teppich von ziemlich bedeutendem Umfange. Auf diesem Stücke Teppich hatte Tante Chloë ihren Stand, da sie unzweifelhaft zu den höheren Regionen des menschlichen Lebens gehörte, und dasselbe, so wie das Bett, bei dem es lag, und überhaupt die ganze Ecke des Zimmers, wurden mit rücksichtsvoller Achtung behandelt, und so viel wie möglich vor den Einbrüchen und Entheiligungen des kleineren Volkes geschützt. Diese Ecke war das Gastzimmer des Hauses. In einer andern Ecke stand ein Bett von weit unscheinbarerem Aeußern, und war augenscheinlich für den Gebrauch bestimmt. Die Wand über dem Kamin war mit einigen hellfarbigen Bildern aus der heiligen Schrift und einem Portrait General Washington's geschmückt, welches dergestalt gezeichnet und colorirt war, daß es ohne Zweifel diesen Helden in Erstaunen gesetzt haben würde, wenn er je einen Abdruck desselben gesehen hätte.

Auf einer rohen Bank in einer andern Ecke war ein Paar wollköpfiger Knaben mit glänzend schwarzen Augen und fetten, glänzenden Wangen beschäftigt, die ersten Gehversuche des jüngsten Kindes zu überwachen, welche, wie gewöhnlich, darin bestanden, sich auf den Füßen zu erheben, einen Augenblick zu schwanken, und dann wieder umzufallen, wobei jeder erfolglose Versuch mit schallendem Gelächter begleitet wurde.

Ein Tisch, schon etwas rheumatisch in seinen Gliedmaßen, befand sich vor dem Feuer, und war mit einem Tuche bedeckt, welches Tassen und Schalen, von unzweifelhaft schönem Muster, mit noch anderen Symptomen eines herannahenden Mahles trug. An diesem Tische saß Onkel Tom, Mr. Shelby's bester Sklave, den wir, da er der Held unserer Erzählung ist, für unsere Leser daguerreotypiren müssen. Er war ein großer, kräftig gebauter Mann, mit breiter Brust, vom glänzendsten Schwarz und mit einem Gesichte, dessen ächt afrikanische Züge Ernst und Verstand in Verbindung mit natürlicher Herzensgüte verriethen. Es lag in seinem ganzen Aeußern eine gewisse Selbstachtung und Würde, verbunden mit vertrauungsvoller Einfachheit des Sinnes.

Er war grade in diesem Augenblicke sehr eifrig mit einer Tafel beschäftigt, welche vor ihm lag, und auf der er langsam und mit großer Sorgfalt einige Buchstaben nachzumalen versuchte, während Master Georg, ein muntrer, hübscher Knabe von dreizehn Jahren, diese Beschäftigung überwachte, und der Würde seiner Stellung als Lehrer vollkommen zu entsprechen schien.

„Nicht so, Onkel Tom, – nicht so,“ sagte er lebhaft, als Onkel Tom mühsam den Schweif seines G auf die falsche Seite gebracht hatte; „das macht Q, siehst Du?“