„Gott's Willen, wirklich?“ sagte Onkel Tom, ehrfurchtsvoll und bewundrungsvoll seinen jungen Lehrer anblickend, während dieser mit flüchtiger Hand zahllose Q's und G's zu seiner Erbauung auf die Tafel malte; und sodann den Griffel in seine dicken, schweren Finger nehmend, begann er sein Werk von Neuem.
„Wie leicht weiße Menschen Alles machen!“ sagte Tante Chloë, einen Augenblick inne haltend, während sie beschäftigt war, eine eiserne Pfanne mit einem Stück Speck auf der Gabel auszufetten, und blickte stolz auf Master Georg. „Wie er schreiben kann! und lesen dazu! Und dann Abends herunter zu kommen, und uns die Bibel vorzulesen, – s'ist mächtig interessant!“
„Aber Tante Chloë, ich werde mächtig hungrig,“ sagt Georg; „ist denn der Kuchen in der Pfanne noch nicht bald gut?“
„Beinahe, Master Georg,“ sagte Tante Chloë, den Deckel aufhebend und hinunter blickend; – „bräunt wunderschön, – prächtiges Braun. Für das, laßt nur Tante Chloë allein! Neulich Missis ließ Sally Versuch machen, 'nen Kuchen zu backen, – grade nur, um's zu lernen,“ sagte sie. „O geht, Missis,“ sagte ich, „es thut mir wirklich weh, zu sehen, die guten Sachen alle so wegzuwerfen! Kuchen riß ganz auf an einer Seite, – keine Form, nichts – nicht mehr als mein Schuh, geht!“
Und mit diesen Schlußworten, dem Ausdrucke über die Ungeschicklichkeit Sally's, nahm Tante Chloë den Deckel der Backpfanne schnell hinweg, und ließ einen schön gebackenen Pfundkuchen sehen, dessen sich kein städtischer Zuckerbäcker zu schämen gehabt haben würde. Da dieser augenscheinlich der wesentlichste Bestandtheil des Gastmahls war, so begann Tante Chloë nunmehr sehr ernstlich den Tisch herzurichten.
„Hier, Ihr, Mose und Pete! geht aus dem Wege, Ihr Niggers! – Geh' Polly, mein Honig, – Mama gibt ihrem Kinde was, nachher. Nun, Master Georg, Sie, nehmen Sie die Bücher fort da, und setzen Sie sich zu meinem Alten, und ich will die Würste heraus nehmen, und Ihre Teller sollen im Augenblick voll Kuchen sein.“
„Ich sollte zum Abendessen in's Haus kommen,“ sagte Georg, „aber ich wußte was besser war, Tante Chloë.“
„Ja, ja, Sie wußten's – Sie wußten's, Zuckerkind,“ sagte Tante Chloë, die dampfenden Kuchen auf seinen Teller häufend; „Sie wußten's, alte Tante würde schon s'Beste aufheben für Sie. O freilich!“ Und mit diesen Worten gab Tante Chloë Georg einen Stoß mit ihrem Finger, und wandte sich dann wieder mit großer Geschäftigkeit zu ihrer Pfanne.
„Nun soll's an den Kuchen gehen,“ sagte Master Georg, als die Thätigkeit der Pfanne etwas nachgelassen hatte, und schwang dabei ein großes Messer über besagtem Artikel.
„Gott's willen, Master Georg!“ rief Tante Chloë, mit großem Ernste ihm in den Arm fallend, „Sie wollen ihn doch nicht mit dem großen, schweren Messer schneiden? Zerquetschen ja Alles, verderben's ganz und gar. Hier, ich habe ein altes, dünnes Messer; ich halt's immer scharf, grade dazu! Hier, nun, sehen Sie, – geht aus einander leicht wie 'ne Feder! Nun essen's los! – s'nichts zu beißen drin.“