„Tom Lincoln sagt,“ bemerkte Georg, mit vollem Munde redend, „daß ihre Jinny eine bessere Köchin wäre, als Du.“

„Kommt nichts drauf an, was die Lincoln's sagen, – gar nicht!“ sagte Tante Chloë verächtlich; „sind nichts, ich meine neben unsern Leuten. Sind ganz achtbare Leute, ganz genug, in 'ner einfachen Art; aber was in großen Style machen – nichts davon, keinen Begriff davon. Just nun, stellen Sie Master Lincoln neben Master Shelby! Guter Gott! und Missis Lincoln! – kann sie auftreten wie meine Missis – so glänzend verstehen Sie? O nichts! gehn Sie mir, sagen Sie mir nichts von den Lincoln's!“ – und Tante Chloë warf ihren Kopf in die Höhe, wie Jemand, der sich selbst bewußt war, etwas von der Welt zu verstehen.

„Gut, aber ich habe Dich doch selbst sagen hören, Tante Chloë,“ sagte Georg, „daß Jinny eine gute Köchin sei.“

„Ganz richtig,“ sagte Tante Chloë, – „und das 's wahr. Gut, gewöhnlich, einfachen kochen – Jinny kann; – kann gutes Brod backen, – Kartoffeln kochen, – ihr Kornkuchen sind nicht extra, nein, Jinny's Kornkuchen sind nicht extra; aber nun höher 'nauf, in höheren Zweigen, was kann sie? – lieber Gott! Sie kann Pasteten machen, – gewiß, sie kann, – aber was für Teig und Kruste? Kann sie den wirklichen, leichten Teig machen, der Ihnen im Munde zerfließt und aufgeht wie ein Hauch? Just, hören Sie, – ich ging da h'nüber, wenn Miß Marien's Hochzeit war, und Jinny just zeigte mir die Hochzeitpasteten. Jinny und ich sind's gute Freunde immer, Sie wissen. Ich sagte nichts, nimmer, Master Georg! Gewiß, glauben's mir, – könnte nicht 'nen Augenblick schlafen, die ganze Woche, wenn ich solches Gebäck Pasteten gemacht hätte; – waren nichts werth, gar nichts!“

„Ich glaube, Jinny hat gedacht, sie wären vortrefflich,“ sagte Georg.

„Nicht wahr? – so sie dachte. Da war sie, zeigte sie, ganz unschuldig, – sehen Sie's just hier, Jinny wußte's nicht. Geht mir, die Familie ist nichts! Wie kann sie's wissen? Nicht ihre Schuld. Ah, Master Georg, Sie kennen nicht halb Ihre Privilegien in Ihrer Familie, und in 'er Auferziehung!“ Bei diesen Worten seufzte Tante Chloë und schlug ihre Augen mit tiefer Bewegung auf.

„Ganz gewiß, Tante Chloë, ich kenne alle meine Pasteten und Puddings-Privilegien,“ sagte Georg. „Frage nur Tom Lincoln, ob ich mich nicht jedesmal damit rühme, wenn ich ihn treffe und ihn auslache.“

Tante Chloë lehnte sich in ihren Stuhl zurück und lachte aus Herzenskräften über den Witz des jungen Herrn, lachte, bis die Thränen ihre schwarzen, glänzenden Backen hinunterliefen, während sie abwechselnd dabei beschäftigt war, ihn im Scherze zu stoßen und zu schlagen und ihm zu sagen, daß er fortgehen solle und daß er ein Bösewicht sei, – daß er im Stande sei, sie zu tödten und daß er sie sicherlich nächstens umbringen werde, und verfiel dabei zwischen diesen blutigen Prophezeihungen in immer neue Ausbrüche des Lachens, die immer länger anhielten, bis endlich Georg wirklich zu glauben begann, er sei ein höchst gefährlich witziger Mensch, und daß er wohl Acht geben müsse, auf was er spreche.

„Und das haben Sie Tom gesagt? Haben Sie? O Herr, was die Jugend nicht alles thut? Haben ihn ausgelacht, und wie haben Master Georg ihn ausgelacht!“

„Ja,“ sagte Georg, „ich sagte zu ihm, ‚Tom, Du mußt 'mal Tante Chloë's Pasteten sehen; das ist die rechte Art!‘ sagte ich.“