„'S ist ein Jammer, nun, Tom kann nicht,“ sagte Tante Chloë, auf deren menschenfreundliches Herz Tom's ungünstiges Loos einen tiefen Eindruck zu machen schien. „Sollten ihn doch 'mal zu Mittag laden, 'mal dieser Tage, Master Georg,“ fügte sie hinzu; „'s würde sich ganz hübsch von Ihnen machen. Sie wissen's, Master Georg, Sie sollen sich nicht über Niemand erheben, wegen Ihrer Priv'legien, weil alle unsre Priv'legien uns sind gegeben. Wir sollen immer daran denken,“ sagte Tante Chloë ganz ernsthaft.

„Gut, ich will Tom an irgend einem Tage in der nächsten Woche hierher einladen,“ sagte Georg, „und Du thust Dein Bestes, Tante Chloë, und er soll die Augen aufreißen. Soll er uns nicht so viel essen, daß er für vierzehn Tage genug hat?“

„Ja, ja, – gewiß!“ sagte Tante Chloë ganz erfreut, – „Sie sollen sehen. O Herr! an manche von unsern Mahlzeiten zu denken! Wissen's noch die große Hühnerpastete, die ich machte, wenn General Knox war hier? Ich und Missis, wir beinahe hatten was Streit, wegen des Teigs. Was manchmal solche Damen Einfälle haben, – weiß nicht; aber manchmal, wenn ein Mensch just am meisten Verantwortlichkeit hat auf sich, so zu sagen, und ist 'ne ganz wichtige Sache, solche Damen haben den Einfall um Einen herumzuhängen, und sich in Alles zu mischen! Nun, Missis wollte, ich sollte's so machen, und dann sollt' ich's so machen; und endlich wurd ich beinahe unartig und sagte: ‚Nun, Missis, schauen Sie auf die schönen, weißen Hände, Ihre, mit langen Fingern, alle mit blanken Ringen, just wie meine weißen Lilien, wenn der Thau drauf liegt; und nun schauen Sie meine großen, schwarzen Hände. Nun, denken Sie nicht, daß der Herr gewollt hat, ich soll den Pastetenteig machen, und Sie sollen im Zimmer bleiben?‘ Da haben Sie's, Master Georg, so unartig war ich.“

„Und was sagte Mutter?“ fragte Georg.

„Sagte? – je nun, sie lachte gar mit den Augen, – den schönen, großen Augen, ihren, und sagte: ‚Gut Tante Chloë, ich glaube, Du hast recht,‘ sagte sie, und fort ging sie in's Zimmer. Sie hätte mir eins an den Kopf geben sollen, daß ich so unartig war; aber so ist's, – ich kann nichts thun mit Damen in der Küche!“

„Wohl, Du legtest große Ehre mit dem Gastmahle ein, – ich entsinne mich deutlich, Jedermann sagte es,“ bemerkte Georg.

„Und stand ich nicht hinter der Thür des Speisezimmers an dem Tage? und sah ich nicht, wie General Knox dreimal seinen Teller hinreichte, grade nach dieser Pastete? – und, sagte er: ‚Sie müssen eine außerordentliche Köchin haben, Mistreß Shelby.‘ – O Herr! ich hätte aus einander gehen mögen!“ –

„Und der General, er weiß, was kochen ist,“ fügte Tante Chloë hinzu, sich stolz aufrichtend. „Sehr hübscher Mann, der General! Er kommt von der ersten Familie in Virginien! Er weiß was es heißt, so gut wie ich – der General. Sehen Sie, da sind Punkte in allen Pasteten, Master Georg; aber 's weiß nicht jeder, was das ist oder sein soll. Aber der General, er weiß es; o, ich merkt's, was er sagte. Ja, er weiß, was die Punkte sind!“

Um diese Zeit war Master Georg endlich zu dem Punkte gelangt, den selbst ein Knabe (unter besondern Umständen) erreichen kann, daß er in der That keinen Bissen mehr hinunterbringen konnte, und hatte deßhalb Zeit, die Reihe von Wollköpfen und leuchtenden Augen zu bemerken, die aus einem entfernten Winkel seine Operationen mit hungrigem Magen beobachtet hatten.

„Hier, Du, Mose, Pete,“ rief er, freigebig große Stücke vom Kuchen vor sich abbrechend und ihnen zuwerfend; „Ihr wollt was haben, nicht wahr? Komm, Tante Chloë, backe ihnen ein paar Kuchen.“