„Das ist der Fluch der Sklaverei! – Ein Fluch für den Herrn wie für den Sklaven! Ich war eine Thörin zu glauben, daß ich aus einem so tödtlichen Uebel noch etwas Gutes bilden könne. Es ist eine Sünde, unter Gesetzen, wie die unsrigen sind, Sklaven zu halten; ich fühlte das immer, – ich dachte das immer, als ich noch ein Mädchen war, – ich fühlte es noch mehr, als ich in den Kirchenverband getreten war; aber ich dachte, ich könne es mit Gold überziehen, ich könne durch Güte, Sorgfalt und Belehrung das Verhältniß der Meinigen besser machen, als es in der Freiheit sein würde, – Thörin, die ich war!“
„Aber Weib, Du wirst ja ein vollständiger Abolitionist.“
„Abolitionist! Wenn Jene von der Sklaverei so viel wüßten wie ich, so möchten sie reden. Wir bedürfen ihrer nicht. Du weißt, daß ich Sklaverei nie gebilligt habe, – daß ich nie gewünscht habe, Sklaven zu besitzen.“
„Ja, in diesem Punkte bist Du verschiedener Meinung von vielen weisen und gelehrten Männern,“ sagte Mr. Shelby. „Erinnerst Du Dich an Mr. B...'s Predigt, vor einigen Wochen?“
„Ich will solche Predigten nicht hören; ich mag Mr. B. nie wieder in unserer Kirche hören. Geistliche können dem Uebel vielleicht nicht abhelfen, – können es nicht heilen, so wenig wie wir, – aber es vertheidigen! – das ging immer gegen meinen Verstand. Und ich glaube, Du selbst hast auch von der Predigt nicht viel gehalten!“
„Ich muß gestehen,“ sagte Mr. Shelby, „diese Geistlichen treiben die Sache zuweilen noch weiter, als wir armen Sünder es thun würden. Wir Weltmenschen müssen gewaltig oft ein Auge zudrücken, und uns an Manches gewöhnen, was nicht ganz in Ordnung ist; aber wir mögen's nicht leiden, wenn Weiber und Geistliche groß und breit auftreten und in solchen Dingen noch weiter gehen als wir. Aber nun, meine Liebe, hoffe ich, hast Du die Nothwendigkeit eingesehen, und Dich überzeugt, daß ich das Beste gethan habe, was die Umstände zuließen.“
„O ja, ja,“ sagte Mrs. Shelby hastig und zerstreut, ihre goldene Uhr in der Hand wiegend, und fügte sodann nach einer Pause gedankenvoll hinzu: – „ich besitze keine Juwelen von einigem Werthe, aber – würde diese Uhr nicht vielleicht etwas nützen? – sie war sehr theuer, als sie gekauft wurde. Wenn ich nur wenigstens Elisa's Kind retten könnte, so würde ich gern Alles opfern, was ich habe.“
„Es thut mir leid, sehr leid, Emilie,“ sagte Mr. Shelby, „daß Dir dies so sehr zu Herzen geht; aber es hilft nichts. Die Sache ist, Emilie, Alles ist bereits abgemacht; die Verkaufsscheine sind bereits unterschrieben und in Haley's Händen, und Du mußt Gott danken, daß es nicht noch schlimmer ist. Der Mann hatte es in seiner Gewalt, uns alle zu Grunde zu richten, – und nun sind wir ihn glücklich los. Wenn Du den Mann kenntest, wie ich ihn kenne, so würdest Du einsehen, daß wir einer großen Gefahr entgangen sind.“
„Ist er denn so hartherzig?“
„Nicht hart und grausam grade, aber ein Mensch wie Leder, – ein Mensch, der für nichts Anderes lebt, als für Handel und Gewinn, – kalt und ohne Bedenken, und unerbittlich wie Tod und Grab. Er würde für einen guten Gewinn seine eigne Mutter verkaufen, – ohne dabei der alten Frau irgendwie Uebles zu wünschen.“