„Wohl, da Du doch einmal Alles wissen mußt, – es ist so. Ich habe versprochen, Tom und Harry zu verkaufen; und ich sehe nicht ein, weßhalb ich um einer Handlung willen für ein Ungeheuer gehalten werden soll, die von Andern jeden Tag verübt wird.“

„Aber warum unter Allen grade diese wählen?“ sagte Mrs. Shelby, „wenn Du überhaupt verkaufen mußt.“

„Weil diese die höchste Summe von Allen einbringen, – das ist der Grund. Ich hätte allerdings noch eine andere Wahl treffen können, wenn Du so willst. Der Kerl machte mir ein hohes Gebot für Elisa. Hätte Dir das besser zugesagt?“

„Der Elende!“ sagte Mrs. Shelby mit Heftigkeit.

„Ich habe ihn natürlich keinen Augenblick angehört; – aus Rücksicht für Dich wollte ich nicht. Laß mir also wenigstens so viel Gerechtigkeit widerfahren.“

„Mein Lieber,“ sagte Mrs. Shelby sich sammelnd, „verzeihe mir. Ich war überrascht, und gänzlich unvorbereitet für diese Nachrichten; aber gewiß wirst Du mir erlauben, ein Fürwort für diese armen Geschöpfe einzulegen. Tom ist ein edelherziger, treuer Mensch, wenn er auch schwarz ist. Ich glaube, Shelby, daß, wenn es nöthig wäre, er sogar willig sein Leben für Dich hingeben würde.“

„Ich weiß es, – ich glaube es, – aber was hilft das alles? Ich kann mir nicht anders helfen!“

„Warum nicht ein Opfer in Geld bringen? Ich will gern meinen Theil daran tragen. O, Shelby, ich habe mich bemüht, – gewissenhaft bemüht, wie eine Christin soll, – meine Pflichten gegen diese armen, einfachen, abhängigen Geschöpfe zu erfüllen. Ich habe für sie gesorgt, sie unterrichtet, über sie gewacht, und alle ihre kleinen Sorgen und Freuden seit Jahren gekannt; und wie kann ich jemals wieder meinen Kopf unter ihnen aufrichten, wenn wir, um eines kleinen, erbärmlichen Gewinnes willen, ein so treues, vortreffliches, vertrauungsvolles Wesen, wie den armen Tom, verkaufen, und in einem Augenblick ihn von Allem losreißen, was wir ihn schätzen und lieben gelehrt haben? Ich habe ihnen die Pflichten der Familie gelehrt, der Eltern und der Kinder, des Gatten und des Weibes; und wie kann ich den Gedanken tragen, öffentlich anerkennen zu müssen, daß wir, sobald es sich um den Werth des Geldes handelt, keine Pflicht und kein Band ehren, wie heilig es auch immer sein möge. Ich habe mit Elisa über ihren Knaben gesprochen, – über ihre Pflicht gegen ihn als eine christliche Mutter über ihn zu wachen, für ihn zu beten, und ihn nach christlichen Grundsätzen zu erziehen; und was soll ich nun sagen, wenn Du ihn von ihr reißest, und ihn verkaufst, Seele und Leib, an einen gemeinen Menschen ohne alle Grundsätze, – nur um etwas Geld zu gewinnen? Ich habe ihr gesagt, daß eine menschliche Seele mehr werth sei, als alles Geld in der Welt: und wie kann sie nun meinen Worten Glauben schenken, wenn sie uns, im Widerspruche hiermit, ihr Kind verkaufen sieht, – vielleicht zu seinem sichern Ruine an Leib und Seele!“

„Es thut mir leid, daß Du Dir das so sehr zu Herzen nimmst, Emilie, – wahrlich,“ sagte Mr. Shelby, „und ich ehre Deine Empfindungen, wenn ich sie auch nicht in ihrer ganzen Ausdehnung theile, aber ich versichere Dir heilig, daß es nichts nützt, – ich kann mir nicht anders helfen. Es war nicht meine Absicht, Dir dies zu sagen; aber, um die reine Wahrheit zu gestehen, es bleibt mir keine andere Wahl, als entweder diese Beiden oder – Alles zu verkaufen. Haley ist in den Besitz einer Hypothek gekommen, welche, wenn ich sie nicht unverzüglich abzahle, Alles verschlingt. Ich habe zusammengescharrt und gekratzt, was möglich war, ich habe geborgt und Alles gethan, nur nicht gebettelt, und der Preis für diese Beiden war grade noch nöthig, um das Fehlende zu decken, und so mußte ich sie dran geben. Haley hatte an dem Kinde Gefallen gefunden, und wollte auch kein anderes Arrangement eingehen. Ich war in seiner Gewalt und mußte es thun. Wenn es Dir so nahe geht, diese verkauft zu sehen, würde es besser sein, wenn Alle verkauft würden?“

Mrs. Shelby stand wie vom Schlage gerührt. Endlich, sich wieder zu ihrer Toilette wendend, bedeckte sie ihr Gesicht mit beiden Händen und seufzte tief.