„Ist er ein Sklavenhändler?“ fragte Mrs. Shelby, eine gewisse Verlegenheit im Wesen ihres Mannes erkennend.
„Warum, mein Kind, was bringt Dich denn auf die Frage?“ sagte Mr. Shelby aufblickend.
„O nichts, – nur, Elisa kam heut nach Tische weinend und in größter Verzweiflung zu mir und sagte, Du sprächest mit einem Händler und sie habe ihn gehört Dir ein Gebot für ihren Jungen machen, – das alberne Gänschen!“
„So?“ sagte Mr. Shelby, wieder auf seinen Brief blickend, der einige Augenblicke lang seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen schien, obgleich er nicht bemerkte, daß er ihn verkehrt in der Hand hielt.
„Es muß heraus, jetzt oder später,“ sagte er im Geiste zu sich.
„Ich sagte Elisa,“ bemerkte Mrs. Shelby, während sie fortfuhr, ihr Haar zu bürsten, „daß sie eine Närrin sei, sich solche Angst zu bereiten, und daß Du nie irgend etwas mit solchen Menschen zu thun habest. Ich wußte ja, daß Du nie die Absicht hattest, irgend einen unserer Leute zu verkaufen, – am wenigsten an solchen Menschen.“
„Richtig, Emilie,“ sagte der Mann, „so habe ich immer gedacht und gesagt; allein die Sache ist, meine Verhältnisse sind jetzt von der Art, daß ich jetzt nicht mehr umhin kann. Ich werde einige meiner Leute verkaufen müssen.“
„An dieses Geschöpf? Unmöglich! Shelby, das kann nicht Dein Ernst sein.“
„Es thut mir leid, sagen zu müssen, daß es wirklich mein Ernst ist,“ sagte Mr. Shelby. „Ich habe mich dazu verstanden, Tom zu verkaufen.“
„Was? unsern Tom? – dieses gute, treue Geschöpf! – ist Dein treuer Diener von seiner Kindheit an gewesen! – O Shelby! – und Du hast ihm außerdem die Freiheit versprochen, – Du und ich, wir haben hundertmal mit ihm davon gesprochen. – Wohl, nun kann ich Alles glauben, – nun kann ich auch glauben, daß Du den kleinen Harry, das einzige Kind der armen Elisa, verkaufen könntest!“ sagte Mrs. Shelby in einem Tone, der eine Mischung von Kummer und Unwillen verrieth.