In demselben Augenblicke, wo Haley den Sattel berührte, hob sich das feurige Thier in einem plötzlichen Sprunge von der Erde, und warf seinen Herrn einige Fuß weit auf den weichen trockenen Rasen. Sam versuchte mit einem wilden Schreie einen Griff nach den Zügeln, aber erreichte weiter nichts, als daß er das vorher erwähnte, hoch aufstehende Palmblatt dem Pferde in's Auge stieß, was keineswegs zur Beruhigung der erregten Nerven desselben beitrug. Indem es ihn deßhalb mit heftiger Gewalt umrannte, zwei oder dreimal ein verächtliches Schnaufen ausstieß, und kräftig mit den Hufen in die Luft schlug, jagte es dem unteren Ende des freien Platzes zu, während Bill und Jerry ihm folgten, welche Andy, der Uebereinkunft gemäß, nicht verfehlt hatte, los zu machen, und nun mit verschiedenen wüthenden Ausrufungen zu noch größerer Eile antrieb. Und nun folgte eine Scene der größten Verwirrung. Sam und Andy rannen und schrieen, – Hunde bellten hier und dort, – und Mike, Mose, Mandy, Fanny, und alle die jüngeren Sprößlinge des Gutes, weiblichen wie männlichen Geschlechts, rannen und schlugen in die Hände, pfiffen und schrieen mit unmäßiger Geschäftigkeit und unermüdlichem Eifer.
Haley's Pferd, ein Schimmel, flüchtig und feurig, schien mit großem Wohlgefallen auf den Geist der ganzen Scene einzugehen; und indem es zu seinem Rennlaufe, einen freien Platz, von beinahe einer halben Meile Ausdehnung vor sich hatte, der nach allen Seiten hin sich in eine unbegränzte Waldung sanft abdachte, schien es besonderes Vergnügen daran zu finden, seine Verfolger nahe herankommen zu lassen, und dann, wenn sie sich ihm bis auf eine Hand breit genähert hatten, schnaubend und springend davon zu fliegen, und weit hinab in einen der Holzwege zu galoppiren. Nichts war Sam's Absicht weniger, als daß irgend eins der Pferde früher gefangen werden solle, als er für zeitgemäß hielt, – und dabei waren die Anstrengungen, die er machte, wirklich heroisch. Gleich dem Schwerdte Coeur de Lion's, welches stets voran und im dicksten Gefechte flammte, war Sam's Palmblatt überall sichtbar, wo nicht die entfernteste Gefahr vorhanden war, daß das Pferd gefangen werden könne; – da sprang er in vollem Laufe drauf los, und schrie: „drauf! drauf! fang ihn! fang ihn!“ in solcher Weise, daß in einem Augenblicke Alles in die vollständigste Verwirrung gesetzt war.
Haley rann inzwischen auf und ab, und schwor und fluchte und stampfte mit dem Fuße abwechselnd. Mr. Shelby bemühte sich vergeblich, Befehle vom Balkone aus hinunter zu rufen, und Mrs. Shelby stand bald lachend, bald sich wundernd am Fenster ihres Zimmers, – jedoch nicht ohne eine leise Ahnung dessen, was dieser ganzen Verwirrung zu Grunde lag.
Endlich, ungefähr gegen zwölf Uhr Mittags, erschien Sam triumphirend, auf Jerry reitend und Haley's Pferd an der Seite führend, welches zwar von Schweiß triefend war, aber dessen noch immer flammende Augen und ausgedehnten Nasenlöcher verriethen, daß der Geist der Freiheit es noch nicht gänzlich verlassen hatte.
„Er's gefangen!“ rief Sam mit triumphirender Miene. „Wenn's nicht ich gewesen wäre, die Alle hätten sich können quälen, – Alle! aber ich ihn gefangen.“
„Du!“ brummte Haley in keiner sehr liebenswürdigen Stimmung, „wenn Du nicht gewesen wärest, so würde Alles das nicht geschehen sein.“
„Gott helf mir! Master,“ sagte Sam im Tone tiefster Betrübniß, „ich, der 'rumgejagt und gerannt ist, daß der Schweiß mir 'nunter läuft!“
„Gut, gut!“ sagte Haley, „Du hast mich um beinahe drei Stunden mit Deinem verfluchten Unsinn gebracht; – nun fort, keine Narrheiten weiter.“
„Wie, Master?“ sagte Sam in einem beschwörenden Tone, „ich glaube, Ihr wollt uns Alle umbringen, – Pferde und Alle. Hier, wir sind Alle just fertig, umzufallen, und die Pferde rauchen nur so von Schweiß. Denke, Master wird nicht wollen aufbrechen, nur erst nach Tische. – Masters Pferd muß abgerieben werden, – hat sich ganz voll gespritzt; – und Jerry ist noch dazu lahm! – glaube nicht, Missis wird uns lassen reiten so just nun. Gott helf mir, Master, – wir wollen sie schon noch fangen, – warten thut nichts. Lizy nie war großer Läufer nicht.“
Mrs. Shelby, welche von der Veranda aus diese Unterhaltung nicht ohne großes Vergnügen mit angehört hatte, beschloß nunmehr, auch ihren Theil zu thun. Sie trat deßhalb hervor, drückte in höflichster Weise ihr Bedauern über Haleys Unfall aus, und bat ihn dringend, zum Mittagessen zu bleiben, indem sie hinzufügte, daß die Köchin es sofort auf den Tisch bringen sollte.