Kurz vor Sonnenuntergang erreichte sie das Dorf T–, am Ohioflusse, müde zwar, und mit wunden Füßen, aber immer noch stark im Herzen. Ihr erster Blick war auf den Fluß, der gleich dem Jordan zwischen ihr und dem Canaan der Freiheit auf der andern Seite lag. Es war jetzt in der ersten Zeit des Frühjahrs, weßhalb der Fluß angeschwollen und unruhig war, und große Schollen schwimmenden Eises im trüben Wasser schwerfällig auf- und niederschwankten. Vermöge der eigenthümlichen Gestaltung des Ufers an der Kentucky-Seite, wo das Land sich weit in das Wasser hinein erstreckte, hatte sich das Eis in großen Massen angesammelt, und der enge Kanal, welcher diese Landzunge umfloß, war mit übereinander geschichteten Schollen so angefüllt, daß sich daselbst ein förmlicher Wall gebildet hatte, welcher das heranschwimmende Eis aufhielt, und dieses eine Art wellenförmigen Flosses bildete, welches den ganzen Fluß bedeckte und sich beinahe bis dicht an das Ufer der Kentucky-Seite erstreckte.

Elisa stand einen Augenblick still, diesen unglücklichen Zustand der Dinge betrachtend, welcher, wie sie sogleich erkannte, das Ueberfahren der gewöhnlichen Fähre verhindern mußte, und begab sich sodann in ein kleines Wirthshaus am Ufer, um Erkundigungen einzuziehen.

Die Wirthin, welche mit Braten und Schmoren, als Vorbereitungen zum Abendessen beschäftigt war, hielt, mit der Gabel in der Hand, inne, als Elisa's sanfte und klagende Stimme sie anredete.

„Was giebts?“ sagte sie.

„Geht jetzt hier keine Fähre über, die Reisende nach B– bringt?“ fragte Elisa.

„Nein, jetzt nicht!“ sagte das Weib. „Die Boote gehen jetzt nicht.“

Der Ausdruck von Furcht und getäuschter Hoffnung in Elisa's Gesichte fiel der Frau auf, und sie fragte:

„Ihr wollt wohl überfahren? – Jemand krank? Ihr scheint in großer Unruhe zu sein?“

„Ich habe ein Kind, das gefährlich krank ist,“ sagte Elisa. „Ich bekam gestern Abend die erste Nachricht davon, und bin nun den ganzen Tag gewandert, in der Hoffnung, hier eine Fähre zu finden.“

„So, das ist freilich unglücklich,“ sagte die Frau, deren mütterliche Sympathie angeregt worden war. „Ihr thut mir wahrlich leid. Solomon!“ rief sie dann zum Fenster hinaus nach einem kleinen Hintergebäude, worauf ein Mann mit einer Lederschürze und sehr schmutzigen Händen erschien.