„Höre, Sol,“ sagte die Frau zu ihm, „geht denn der Mann mit den Fässern heute Abend noch hinüber?“
„Er sagte, er woll's versuchen, wenn's einiger Maßen rathsam wäre,“ entgegnete der Mann.
„Da ist ein Mann hier, ein Stück Weg's weiter hinunter, der diesen Abend mit Waaren hinüberfahren will, wenn's geht; er wird zum Abendessen hier sein. So thut Ihr am besten, Ihr setzt Euch und wartet hier. Was für ein lieber kleiner Bube,“ sagte die Frau, dem Knaben ein Stück Kuchen reichend.
Allein das Kind, übermäßig erschöpft, weinte vor Müdigkeit.
„Armer Wurm! er ist nicht daran gewöhnt, so weit zu gehen, und ich habe ihn so getrieben,“ sagte Elisa.
„Nun, so nehmt ihn in das Zimmer da,“ sagte die Frau, ein kleines Schlafgemach öffnend, in welchem ein bequemes Bett stand.
Elisa legte den ermüdeten Knaben darauf, und hielt seine Hände in den ihrigen, bis er eingeschlafen war. Denn für sie war hier keine Ruhe. Wie ein Feuer in ihren Gebeinen trieb der Gedanke an ihren Verfolger sie weiter, und mit sehnsüchtigen Blicken schaute sie auf die finsteren, brausenden Wellen, die zwischen ihr und ihrer Freiheit lagen.
Allein hier müssen wir für jetzt von ihr Abschied nehmen, um den Lauf ihrer Verfolger zu begleiten.
Obgleich Mrs. Shelby versprochen hatte, daß das Essen so schnell wie möglich auf den Tisch gebracht werden solle, so zeigte sich doch bald, daß mehr als eine Person dazu erforderlich sei, um einen Handel zu machen. Ungeachtet dessen also, daß der Befehl in Haley's Gegenwart ertheilt, und wenigstens durch ein Dutzend jugendlicher Boten an Tante Chloë befördert worden war, ließ diese würdige Dame dennoch nichts als ein wiederholtes mürrisches Schnaufen als Antwort darauf hören, und fuhr in ihren Geschäften auf eine sehr gemächliche und umständliche Weise fort.
Aus irgend einem besondern Grunde, schien sich die allgemeine Meinung unter der Dienerschaft verbreitet zu haben, daß Mistreß über etwas Verzug nicht besonders ungehalten sein werde; und es war wunderbar, was für eine Menge widriger Umstände sich ereigneten, um den Lauf der Dinge zu verzögern. Ein unglücklicher Bursche schüttete die Sauçe aus; und dann mußte die Sauçe de novo gemacht werden, und zwar mit gehöriger Sorgfalt und Umständlichkeit, wobei Tante Chloë mit der hartnäckigsten Genauigkeit verfuhr, und auf alles Antreiben zur Eile nur kurz antwortete, „daß sie keine rohe Sauçe auf den Tisch bringen wolle, um Anderen beim Fangen behülflich zu sein.“ Ein Andrer stolperte und fiel mit dem Wasser nieder, und mußte deßhalb von Neuem an den Brunnen gehen, um frisches zu holen; und wieder ein Andrer schüttete die Butter als Hinderniß in den Lauf der Begebenheiten; und während dessen gelangten von Zeit zu Zeit kichernde Nachrichten in die Küche, daß Master Haley gewaltig unruhig sei, und auf seinem Stuhle nicht still sitzen könne, sondern unaufhörlich zwischen Fenster und Thür auf und nieder laufe.