„Sie 's über den Jordan, – wie man könnte sagen, im Lande Canaan.“
„Wie, Sam, was meinst Du?“ sagte Mrs. Shelby athemlos und beinahe ohnmächtig, als sie die mögliche Meinung dieser Worte faßte.
„Wohl, Missis, der Herr schützt die Seinen. Lizy ist über den Fluß gekommen, in Ohio, so merkwürdig, als wenn sie der Herr hinüber getragen hätte in 'nem feurigen Wagen und zwei Pferden.“
Sam's Frömmigkeitsader war immer sehr voll und warm, wenn er vor seiner Mistreß stand, und er pflegte sich dann stark in biblischen Figuren und Bildern zu bewegen.
„Komm' hier herauf, Sam,“ sagte Mr. Shelby, der seiner Frau in die Veranda gefolgt war, „und erzähle Deiner Mistreß, was sie zu wissen verlangt. Komm', komm', Emilie,“ fügte er dann hinzu, „Du bist kalt und frierst; Du gibst Dich Deinen Gefühlen zu sehr hin.“
„Meinen Gefühlen zu sehr hin? Bin ich nicht ein Weib und – eine Mutter? Sind wir nicht beide Gott für dieses arme Wesen verantwortlich? O mein Gott! schreibe diese Sünde nicht in unser Schuldbuch!“
„Welche Sünde, Emilie? Du siehst ja selbst, daß wir nur das gethan haben, was wir gezwungen waren zu thun.“
„Und dennoch lastet ein schreckliches Gefühl von Schuld auf mir,“ sagte Mrs. Shelby, – „ich kann es durch keine Vernunftgründe verscheuchen.“
„Hier Andy, Du, Nigger, sei munter!“ rief Sam unter der Veranda; „bringe hier diese Pferde in den Stall, – hörst nicht Master rufen?“ und gleich darauf erschien Sam, sein Palmblatt in der Hand, in der Thür des Zimmers.
„Nun, Sam, erzähle uns deutlich, was sich begeben hat,“ sagte Mr. Shelby. „Wo ist Elisa, wenn Du es weißt.“