„Wohl, Master, ich sah sie mit mein eigen Augen, wie sie ging 'nüber das schwimmende Eis. 's war ganz erstaunlich, 's war beinahe ein Wunder; – und dann sah' ich einen Mann, der half ihr 'nauf die Ohioseite, und dann war sie verschwunden in Nebel.“

„Sam, dies kommt mir etwas apocryphisch vor – dieses Wunder. Ueber das schwimmende Eis zu gehen, ist nicht so leicht,“ sagte Mr. Shelby.

„Leicht, – kein Mensch hätt's thun können ohne den Herrn. Ja, seht,“ sagte Sam, „'s war just so. Master Haley, und ich, und Andy, wir kommen an das kleine Wirthshaus am Flusse, und ich reite ein Stückchen voraus (war so begierig Lizy zu fangen, konnt' mich gar nicht halten) – und wie ich näher an's Fenster komme, da stand sie groß und breit, und Die hinter mir drein. So ich verliere meinen Hut, und schreie auf laut genug, um alle Todten aufzuwecken. Lizy, natürlich, hört's und duckt sich, wie Master Haley das Fenster passirt; und dann, seht, springt sie durch 'ne Seitenthür hinaus und hinunter an den Fluß. Master Haley sah sie ganz deutlich, und schrie uns zu, und er und ich und Andy, wir hinter ihr drein. – Sie springt grad' hinunter an den Fluß, und da ging ein Strom am Ufer entlang – zehn Fuß breit – und dahinter 'ne große Menge Eis auf und nieder – grade als wär's ein Eiland. Wir sind dicht hinter ihr, und ich dacht' mein Seel', er hätte sie sicher genug, – wenn sie mit einmal solchen Schrei ausstößt wie ich nimmer gehört, – und da war sie – grad' hinüber über den Strom – bis auf's Eis, und nun ging sie weiter – springend und schreiend, – und das Eis ging krack! – krack! – auf und nieder – und sie drüber weg springt grad' wie ein Bock! – O Herr! die Sprünge, die diese Dirnen in sich haben, 's ist unglaublich – denk' ich!“

Mrs. Shelby saß schweigend da, blaß vor innerer Aufregung, während Sam seine Geschichte erzählte.

„Gott sei gelobt, so ist sie nicht todt!“ sagte sie dann; „aber wo ist das arme Kind nun?“

„Der Herr wird sorgen,“ sagte Sam, seine Augen fromm aufrollend. „Wie ich gesagt habe, 's ist 'ne Vorsehung und kein Zweifel, wie Missis uns immer gelehrt hat. Da immer sind Werkzeuge, um des Herrn Willen zu thun. So, wenn's ich nicht gewesen wäre heut, sie wäre ein Dutzend Mal gefangen worden. War's nicht ich, der die Pferde los ließ diesen Morgen und bis gegen Mittag mit herum jagte? Und habe ich nicht Master Haley gut fünf Meilen weit vom Wege abgebracht, diesen Abend, oder er hätte Lizy so leicht eingeholt, wie ein Hund 'nen Affen. Diese Dinge alle Vorsehung.“

„Diese Dinge sind eine Art Vorsehung, die ich Dir in Zukunft rathe wohl zu vermeiden, Master Sam. Ich erlaube nicht dergleichen Streiche gegen Herren auf meiner Besitzung,“ sagte Mr. Shelby mit so vielem Ernste, wie er unter den obwaltenden Umständen in seinem Gesichte zusammenbringen konnte.

Es ist jedoch eben so vergeblich, einen Neger glauben machen zu wollen, daß man erzürnt gegen ihn sei, wie ein Kind; beide erkennen instinktmäßig den wahren Stand der Dinge, aller Bemühungen ungeachtet, den entgegengesetzten Eindruck zu erzeugen, und Sam wurde deßhalb durch diesen Vorwurf nicht im Geringsten entmuthigt, obgleich er die Miene ernster Betrübniß annahm und mit heruntergezogenen Mundwinkeln in höchst reuiger Haltung da stand.

„Master ganz recht – ganz recht; war sehr häßlich von mir – ohne Zweifel, – und natürlich, Master und Missis werden so 'was nicht gut heißen. Sehe das ein, ja – aber ein armer Nigger wie ich manchmal groß in Versuchung, häßlich zu handeln, wenn ein Mensch sich solchen Anschein geben will, wie da Mr. Haley; – er kein Gentleman; – wer so erzogen worden wie ich, das leicht kann sehen.“

„Gut, Sam,“ sagte Mrs. Shelby, „da Du Deine Fehler gebührender Maßen einzusehen scheinst, so magst Du nun zu Tante Chloë gehen und ihr sagen, daß sie Dir von dem kalten Schinken etwas geben soll, der von heut Mittag übrig geblieben ist. Du und Andy, Ihr müßt beide hungrig sein.“