„Ich dachte so,“ sagte der Senator.

„Wenn Jemand kommen solle,“ sagte der gute Mann, seine große, muskulöse Figur aufrichtend, „na, so will ich ihn empfangen; habe auch sieben Söhne, jeder sechs Fuß hoch, die für ihn bereit sind. Bestellt ihm nur mein Compliment,“ fügte John hinzu, „und sagt ihm nur, 's komme gar nicht drauf an, wie bald er komme, – macht gar keinen Unterschied,“ sagte John, durch seine struppigen Haare fahrend, und in lautes Lachen ausbrechend.

Matt, ermüdet und gebrochen, schleppte sich Elisa bis an die Thür, während ihr Kind in festem Schlafe auf ihrem Arme lag. Der rauhe Mann hielt das Licht vor ihr Gesicht, und indem er dann eine Art mitleidigen Grunzens ausstieß, öffnete er die Thür eines kleinen Schlafzimmers, welches neben der großen Küche lag, in der sie standen, und bedeutete sie, da hinein zu gehen. Er holte ein Talglicht, zündete es an, setzte es auf den Tisch, und wendete sich dann an Elisa.

„Brauchst Dich hier nicht zu fürchten, mein Wort, laß kommen wer will. Bin fertig für alles das,“ sagte er, auf einige handfeste Gewehre deutend, die über dem Kamine hingen: – „und die Meisten, die mich kennen, wissen, daß es nicht gut gethan ist, Einen aus meinem Hause wegzuholen, so lange ich drin bin. Also nun, lege Dich hin und schlafe, so ruhig als wenn Dich Deine Mutter wiegte,“ sagte er, während er die Thür zumachte.

„Das ist ein ungewöhnlich hübsches Weibsbild,“ sagte er dann zu dem Senator. „Ja, ja, die Hübschen haben die größte Gefahr auszustehen, oft, wenn sie ein Bißchen Gefühl haben, wie ordentliche Frauenzimmer haben sollen. Kenne das alles.“

Der Senator theilte ihm kurz, in wenigen Worten, Elisa's Geschichte mit.

„O! o! sieh Einer!“ sagte der gute Mann mitleidig; „nun ja! das ist natürlich, versteht sich, armes Wesen! – gehetzt wie ein Thier, grade deshalb, weil sie natürliche Gefühle hat, und das thut, was keine Mutter anders kann. Ich sage Euch, diese Dinge hätten mich beinahe zum Fluchen gebracht, – zu wer weiß was,“ sagte der ehrliche John, während er seine Augen mit der Kehrseite seiner großen, fleckigen Hand wischte. „Ich sage Euch, Mann, es hat Jahre und Jahre gedauert, daß ich nicht in die Kirche ging, weil die Geistlichen da in unsrer ganzen Gegend predigten, daß die Bibel alle diese Schändlichkeiten gut heiße, – und ich konnte nicht mit ihnen fertig werden, mit ihrem Griechisch und Ebräisch, und so ließ ich sie hinter mir, Bibel und Alles. Bin nie in der Kirche gewesen, bis ich einen Pfarrer fand, der 's Alles verstand, Griechisch und Alles, und der grade das Gegentheil sagte; und dann hielt ich fest dran, und ging in die Kirche, – so ist's,“ sagte John, der inzwischen emsig beschäftigt gewesen war, einige vortreffliche Flaschen Cider zu öffnen, die er nunmehr, bei dieser Pause, seinem Gaste offerirte.

„Solltet nun grade hier bleiben, bis es Tag wird,“ sagte er in herzlichem Tone; „ich will meine alte Frau wecken, und Ihr sollt ein Bett im Nu fertig haben.“

„Ich danke Euch, mein guter Freund,“ sagte der Senator, „ich muß fort, um die Nachtpost nach Columbus zu treffen.“

„So, nun, wenn Ihr müßt, so will ich Euch ein Stück begleiten, und Euch einen Richteweg zeigen, der Euch besser hinbringen wird, als der, auf dem Ihr kamt. Das ist ein bitter böser Weg.“