Die Knaben blieben still stehen, und sahen erst ihren Vater, und dann ihre Mutter an, während das jüngste Kind an den Kleidern derselben empor kletterte, und einen gebieterischen, befehlenden Schrei zu erheben begann.
„Da!“ sagte Tante Chloë, ihre Augen trocknend und das Kind aufhebend; – „nun bin ich fertig, denk' ich, – nun iß etwas, – das hier ist mein bestes Huhn. Da, Jungens, sollt' auch was haben, arme Bälger! Mamme ist häßlich gegen Euch gewesen.“
Die Knaben bedurften keiner zweiten Einladung, sondern machten sich mit großem Eifer an die Vorräthe, und es war gut, daß sie es thaten, denn sonst würde von keiner Seite zu diesem Zwecke viel gethan worden sein.
„Nun,“ sagte Tante Chloë, nach dem Frühstück geschäftig aufstehend, „ich muß nun Deine Kleider zusammenthun. 's ist zwar so gut, wie nicht; werden sie doch alle nehmen. Kenne ihre Wege, – sind schmutzig, wie Koth, sind sie! Also hier, Deine Unterjacken, gegen den Fluß, hier in der Ecke; sei vorsichtig, denn 's wird Dir keiner wieder welche machen. Dann hier sind Deine alten Hemden und hier die neuen. Habe die Strümpfe hier gestopft, gestern Abend, und neue Hacken eingesetzt, – aber, o großer Gott, wer wird sie je wieder ausbessern?“ und Tante Chloë war von Neuem so überwältigt, daß sie ihren Kopf an die Seite des Kastens lehnte und schluchzte. „Nur dran zu denken! – kein Mensch, der was für Dich thun wird, krank oder gesund! Ich weiß nicht, wozu ich noch gut sein soll!“
Die Knaben, nachdem sie Alles verzehrt hatten, was auf dem Tische zu finden war, begannen ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was um sie vorging; und als sie ihre Mutter weinen sahen und das traurige Gesicht ihres Vaters gewahrten, fingen sie auch an zu wimmern und ihre Hände zu den Augen zu erheben. Onkel Tom hatte das jüngste Kind auf seinem Knie, und ließ es sich nach Herzenslust damit vergnügen, sein Gesicht zu kratzen und sein Haar zu zausen, während es von Zeit zu Zeit laute Ausbrüche von Wonne hören ließ, die augenscheinlich aus eigenen inneren Betrachtungen hervorgingen.
„Krähe nur, krähe, armes Geschöpf!“ sagte Tante Chloë, „kommst auch noch an die Reihe! wirst leben und sehen, wie Dein Mann verkauft wird, oder selbst verkauft werden; – und diese armen Jungen da werden auch verkauft werden, ohne Zweifel, wenn sie zu was gut sind, – taugt nicht, wenn Niggers zu was gut sind!“
In diesem Augenblicke rief einer der Knaben laut: „Da, Missis kommt herein!“
„Sie kann nichts mehr helfen; – was nützt 's kommen?“ sagte Tante Chloë.
Mrs. Shelby trat ein. Tante Chloë setzte ihr einen Stuhl in einer auffallend mürrischen Weise hin. Sie schien jedoch weder die Handlung noch die Art und Weise zu beachten. Sie sah blaß und aufgeregt aus.
„Tom,“ sagte sie, „ich komme um –“ aber plötzlich inne haltend und die schweigende Gruppe vor sich betrachtend, setzte sie sich nieder auf den Stuhl, bedeckte ihr Gesicht mit dem Taschentuche und brach in heftiges Schluchzen aus.