„Du solltest aufblicken zum Herrn über uns, – er ist über Alle – kein Sperling fällt vom Dache ohne ihn.“
„Es will mich nicht trösten, aber 's kann wohl sein, es sollte,“ sagte Tante Chloë. „Aber 's Reden hilft alles nichts; ich will nur jetzt den Kornkuchen herausnehmen, und Dir ein gutes Frühstück zurecht machen, denn wer weiß, wenn Du wieder eins findest.“
Um die Leiden der nach dem Süden verkauft werdenden Neger gehörig zu würdigen, müssen wir daran erinnern, daß alle instinktmäßigen Neigungen dieses Geschlechtes besonders stark sind. Ihre Anhänglichkeit an Orte namentlich ist dauernd; sie sind zwar nicht kühn und unternehmend, aber häuslich und anhänglich. Man rechne hinzu alle die Schrecken, mit denen Unwissenheit das Fremde, Unbekannte bekleidet, und ferner den Umstand, daß nach dem Süden verkauft werden dem Neger von früher Jugend an als der äußerste, schrecklichste Grad von Strafe vorschwebt. Die Drohung, welche mehr schreckt, als gepeitscht werden oder Tortur irgend einer Art, ist die, den Fluß hinab geschickt zu werden. Wir haben selbst den Ausdruck dieses Gefühl's und den ungekünstelten Schrecken beobachtet, mit dem sie in ihren Mußestunden bei einander sitzen, und sich schauderhafte Geschichten von dem Süden erzählen, der ihnen als
„Das unentdeckte Land, von dessen Gränzen
Kein Reisender je kehrt,“
gilt. Ein Missionär unter den entflohenen Negern in Canada erzählte uns, daß viele von ihnen bekannt hätten, verhältnißmäßig gütigen Herrn entflohen zu sein, und sich den Gefahren der Flucht ausgesetzt zu haben, lediglich durch den furchtbaren Schrecken dazu bewogen, den sie vor dem Verkauftwerden nach dem Süden hegten, einem Schicksale, das drohend über den Häuptern Aller, über Männern, Weibern und Kindern hänge. Dies erfüllt den Afrikaner, der von Natur geduldig und schüchtern ist, mit heroischem Muthe, und läßt ihn Hunger, Kälte und Schmerzen tragen, und sich den Gefahren der Wildniß, und den noch schrecklicheren Strafen des Wiedereinfangens aussetzen.
Das einfache Morgenmahl dampfte jetzt auf dem Tische, denn Mistreß Shelby hatte Tante Chloë von ihren Dienstleistungen im Herrenhause für diesen Morgen entbunden. Die arme Seele hatte alle ihre geringen Kräfte zu diesem Abschiedsmahle erschöpft, – hatte ihre besten Hühner geschlachtet und gebraten, und ihren Kornkuchen mit der gewissenhaftesten Genauigkeit, ganz nach dem Geschmacke ihres Mannes, zubereitet, und brachte endlich noch ein Paar Krüge hervor mit einigen aufbewahrten Raritäten, die nur bei ganz besondern Gelegenheiten zum Vorschein kamen.
„O Pete,“ sagte Mose triumphirend, „haben wir nicht ein prächtiges Frühstück auf dem Tisch!“ in demselben Augenblicke nach einem Stücke Huhn greifend.
Tante Chloë gab ihm eine unerwartete Ohrfeige. „Da nun, kräht über 's letzte Frühstück, das Euer armer Tate hier zu Hause essen wird!“
„O Chloë!“ sagte Tom sanft.
„Ach, ich kann mir nicht helfen,“ sagte Tante Chloë, ihr Gesicht in der Schürze bergend! „ich bin so voll Jammer, das macht mich so häßlich.“